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Aus der Geschichte unserer Gemeinde
Wer Geld in unser Kirchgebäude gesteckt hat

Ich habe etliche Neu-Johannisthaler gehört, die noch nicht gesehen haben, wo hier eine Kirche ist. Vielleicht haben sie noch nicht richtig gesucht. Aber es ist nun mal so, dass manche eher einen Kirchturm gesehen haben, wenn sie von der Siedlung am Flugfeld über den Großberliner Damm hinweg sahen – die Kirche von Adlershof. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil für uns Christen in Johannisthal sein: Die ersten Christen trafen sich im Freien, oder in ihren Wohnungen; allenfalls mieteten sie mal einen Saal.

Doch irgendwann haben Christen ihre besonderen Räume gebaut, die extra für den Gottesdienst ausgestaltet waren. Gottesdienst wird in Kirchräumen gefeiert, die darauf ausgerichtet sind und die mit ihrer Aura aus dem Alltag herausragen. Über Jahrhunderte konnten die meisten Christen es sich gar nicht anders vorstellen. Dafür sind sie viele Kilometer gelaufen, um zu einem „Gotteshaus“ zu kommen.

Die Johannisthaler gingen nach Rudow zur Kirche (1).  Bevor es den Teltow-Kanal gab. Zu Fuß.

Erst, als ca. 550 Evangelische in Johannisthal wohnten, änderte sich das teilweise: Nun wurden auch Gottesdienste in einem sonst anders genutzten Saal gehalten: in der 1886 eröffneten ersten Gemeindeschule in Johannisthal wurde Weihnachten 1895 der erste Gottesdienst in Johannisthal gehalten; ab 1897 in der neu errichteten Aula, zu deren Baukosten die Evangelischen in Johannisthal beigetragen hatten. In diesem Ambiente wurden in der Sommerzeitvier und in der Winterzeit monatlich Gottesdienste gehalten.

Ansonsten gingen die evangelischen Christen weiter nach Rudow oder nach Schöneweide zum Gottesdienst, ich nehme an: … vor allem zu besonderen Gottesdiensten (2).

Bald entstand der Wunsch, einmal eine Kirche in dem wachsenden Stadtteil Johannisthal zu bauen. 1895 gründete sich ein Kirchbauverein. Obwohl schnell so viele Evangelische in Johannisthal wohnten wie heute (ca. 1800), war es jahrelang Zukunftsmusik, in Johannisthal eine Kirche zu bauen.

Immerhin gab es seit 1900 Bewegungen in der Kirche in Deutschland insgesamt, die sagten: In den Städten, in denen die Gemeinde auf weit über 10.000, ja 20.000 Mitglieder wuchsen, sollten kleinere Gemeinden geschaffen werden (etwa von 5.000 bis 10.000 Mitgliedern), damit es überhaupt so etwas wie persönliche Seelsorge geben könne; und es sollte hier und da neben dem Besuch des Gottesdienstes auch möglich sein, in den anonym gewordenen und z.T. sozial verwahrlosten Städten als Christen zusammen zu kommen: So fing man an, neben den Kirchen auch Räume zu schaffen, in denen Menschen sich treffen konnten.

1914 wurde an den Landrat des Kreises Teltow (in der Einheit von Staat und Kirche zuständig) geschrieben, wie dringend man sich eine eigene Kirche wünschte:

„Der Bau der Kirche kann bei der ca 4.500 Seelen umfassenden Anzahl der Evangelischen nicht länger hinausgeschoben werden. Es stehen dazu nur etwa 3.000 Mark zur Verfügung, die aus Überschüssen der Kirchengemeinde angesammelt worden sind. … Wohlhabende Einwohner, die Neigung haben, für kirchliche Zwecke freiwillig Leistungen zu übernehmen, sind in der Gemeinde nicht vorhanden. Der größte Teil der Evangelischen gehört dem Arbeiter- und kleinen Beamtenstande an.

Der Bau der Kirche wird, auch wenn dazu Unterstützungen aus landeskirchlichen Mitteln sonstigen öffentlichen Fonds geleistet werden, die Zuschläge zur Kirchensteuer um das Doppelte des jetzigen Satzes in die Höhe treiben und sicherlich zur Folge haben, dass die schon jetzt umfangreiche Abwendung von der Kirche noch mehr zunimmt.“

Erst, als in Johannisthal ca. 5.000 Evangelische wohnten, konnten sie ein Gelände mit einem so großen Saal kaufen, dass auch Tauf- und andere „große“ Gottesdienste in Johannisthal gefeiert werden konnten. Das war 1920.

Von der Landeskirche wurden 1920 ein Hypotheken-Darlehen in Höhe von 100.000 Mark zum Ankauf des Grundstücks, jetzt Sterndamm 90, und in Höhe von 20.000 Mark als Zuschuss zu den Kosten der Bauarbeiten ausgereicht und 1921 eine Beihilfe von 30.000 Mark für Bauarbeiten gewährt. Wie weit die Kirchensteuer der Gemeindeglieder dafür erhöht wurde, weiß ich nicht. Jedenfalls kümmerte sich der Kirchbauverein, der bis 1933 existierte, um den Erwerb und Erhalt des Kirchsaals. Bis 1927 wuchs die Gemeinde auf 10.000 Gemeindeglieder. Dennoch gab man aus Geldnot den Plan auf, einen Platz für einen Kirchenbau zu suchen. Lediglich der Konfirmandensaal wurde 1936 erweitert. Man halte sich dazu den damaligen Raumbedarf vor Augen: 1934 gab es 172, und 1936 135 Konfirmanden.

Nach den Zerstörungen am Kirchsaal in Folge des Krieges sammelte der 1948 gebildete „Opfergroschenkreis“ Geld für dessen Wiederaufbau. Ob die Spendenbereitschaft der Gemeinde Johannisthal zu DDR-Zeiten gereicht hätte, das Gebäude mit Kirch- und Gemeinderäumen zu erhalten, weiß ich nicht. Tatsächlich wurde die kirchliche Arbeit in der DDR insgesamt zu einem großen Teil von den westlichen Gliedkirchen der Ev. Kirche in Deutschland getragen. Darüber hinaus bekam die Johannisthaler Gemeinde für ihren Bau Unterstützung von der Rheinischen und Westfälischen Kirche und von der Partnergemeinde in Sennestadt.

Es gibt zwar immer noch Transferleistungen von den Kirchen in den alten Bundesländern zu denen in den neuen Bundesländern. Aber wir müssen uns darauf einstellen, mit unserer Gebäudewirtschaft auf eigenen Füßen zu stehen.

Wie können wir die Jacke, die wir so geerbt haben, heute passend schneidern? –

Herr Iskraut hat als Pfarrer unserer Gemeinde in den 1990er Jahren gesagt, dass die Kirche in Zukunft nicht mehr alle kirchlichen Gebäude halten können wird. Wer von Ihnen bei der Gemeindeversammlung im September 2007 dabei war, erinnert sich vielleicht, wie wir uns Gedanken gemacht haben zum Verhältnis von Finanzkraft und Gebäudebedarf in unserer Gemeinde. Oder lesen Sie dazu den Bericht in der Ausgabe vom März unseres Gemeindebriefes.

Im Bericht von der letzten Gemeindeversammlung stand: „Uns allen steht die Sorge vor Augen, dass die finanzielle Belastung durch die Gebäude so überhand nimmt, dass die Gemeindearbeit darunter leidet.“ 

Ich finde es großartig, dass sich viele von Ihnen Gedanken machen, in welche Richtung wir gemeinsam eine Lösung finden können. (Siehe dazu auch den Beitrag von Familie Wulff). Dazu mehr im nächsten Gemeindebrief.

Ich grüße Sie herzlich
Ihr Reinhard Kähler

1  Die Johannisthaler waren 1842 per Gerichtsbeschluss gezwungen worden, zu den Kirchenbaulasten der Rudower Kirche beizutragen. Von daher hatten sie das Recht, auch nach 1897 die Kirche in Rudow für Taufen, Trauungen und Trauerfeiern zu nutzen.

2 Ab 1.9.1897 wurde die kirchliche Arbeit in Johannisthal in einer selbständigen Kirchengemeinde organisiert (bis 1915 noch mit Rudow pfarramtlich verbunden).