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Albrecht Schönherr ist tot

Albrecht SchönherrDas hören Viele in unserer Gemeinde mit Wehmut. Ich auch. Er gehörte zu meinem Weg. Gerade in Johannisthal ist er manchen von Ihnen bekannt und geschätzt durch seine Gottesdienste. Und hier hat er die Seminarreihe „Gespräche über den Glauben“ ins Leben gerufen …

Ich kann ihn an dieser Stelle nicht angemessen würdigen. Aber das möchte ich hier sagen: Als Mensch, als Theologe und als einer, der Verantwortung für die Kirche übernahm, bewegte ihn, dass wir nicht mehr wie selbstverständlich mit christlichen Ritualen leben: wir müssen es einüben, in Kontakt mit Gott zu leben Und dieses Leben in Kontakt mit Gott soll etwas zu tun haben damit, wie wir überhaupt leben. Also müssen wir darüber reden. Gespräche über den Glauben, um für sich persönlich etwas zu klären und mit anderen etwas zu lernen. Denn da geht es nicht nur um mehr oder weniger große Wissensstoffe. Es sind immer wieder neue Herausforderungen, wo wir mit Anderen darum ringen: Was heißt denn das in der Perspektive der Geschichte von Jesus Christus? Antworten stehen nicht fest, sie müssen erwandert werden. Bibeltexte müssen befragt werden, und unsere Gedanken zu den Texten müssen sich befragen lassen: „verstehst du auch, was du da liest?“ Und weil diese Fragen mitgehen in dem, was wir erleben, reichen einmal gefundene Antworten oft nicht aus und müssen wir immer weiter lernen. Darum sind für Albrecht Schönherr Seminare mit Gesprächen über den Glauben eine Endlos-Geschichte.

Albrecht Schönherr wollte christliches Leben nicht als eine Kultur, die sich abgrenzt, profilieren, er wollte den Schatz der christlichen Tradition in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auch nicht im Gestus der Überlegenheit und der Belehrung einbringen, sondern wie in einer Lerngemeinschaft – partnerschaftlich. Er kämpfte für den Spielraum der Kirche nicht, um sich als Gegen-Über in der Gesellschaft stark zu machen, sondern um die Freiheit der Botschaft von Gott in ihrer sozialethischen Bedeutung zu erfassen. Auch wenn das Selbstverständnis der herrschenden Partei in der DDR atheistisch war und diese sich durch eine Religionsgemeinschaft als solche in Frage gestellt sah, wollte Schönherr verhindern, dass die Kirche im Umkehrschluss einfach die Rolle der Fundamentalopposition übernimmt. Unermüdlich rang er darum, dass Christen übersetzen, was wir aus christlicher Tradition positiv in jede Gesellschaft einzubringen haben, anstatt das Christen aus der Gesellschaft (innerlich) auswandern. Die Formel „Kirche im Sozialismus“ sagte, wo hier die Energie des Evangeliums hinkommt. Das war für Albrecht Schönherr gerade nicht schlechte Anpassung, sondern Zeichen, welche Stärke der Geist Gottes haben kann: Er ist nicht abhängig von bestimmten gesellschaftlichen Formen und kann darum konkret das Beste des Gemeinwesens suchen kritisch unterscheidend, wo Christen in den gesellschaftlichen Aufgaben (z.B. Erziehung zum Frieden, für Schwache eintreten, Bewahrung der Schöpfung) Anderen widersprechend und wo sie mit Anderen unterstützend zusammen arbeiten.

Wer Albrecht Schönherr begegnet ist, wird seine einfühlsame wohlwollende Art in Erinnerung behalten.

Reinhard Kähler

23. April – 19.00 Uhr
Winterkirche Niederschöneweide, Britzer Str.
Albrecht Schönherr und der Weg der Kirche
Bischof  i.R. Dr. Ch. Demke wird dazu Informationen geben
und zum Gespräch einladen.