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Gemeindefahrt zum gläsernen Schatz

Einen Schatz zu besichtigen macht Freude - und dazu noch einen farbigen, gläsernen – wer wird da nicht neugierig? Zumal, wenn er ein knappes halbes Jahrhundert verschollen war, nun aber wieder in der Frankfurter Marienkirche zu besichtigen ist.

So führte uns die diesjährige Gemeindefahrt mit Pfarrer Dr. Kähler und Pfarrer i.R. Vergens am 9. Mai nach Frankfurt/Oder und anschließend nach Neuzelle. Schon die Fahrt nach Frankfurt war ein Genuss, denn der liebliche Maien mit seiner frischen Natur erfreute die Augen. Außerdem wusste Pfarrer Vergens, der die Fahrt vorbereitet hatte, viel über Land und Leute zu erzählen.

In Frankfurt angekommen, wartete die erste Überraschung auf uns: die Gertraudkirche. Sie hat heute die Funktion der Stadtkirche übernommen und ist ein neugotischer Backsteinbau. Das Innere der basilikalen Anlage wurde 1978/80 umgebaut und zwar, wie ich fand, sehr geschickt. In Höhe der ehemaligen Emporen wurde eine Zwischendecke eingezogen, sodass sich nun oben der Gottesdienstraum und unten die Gemeinderäume befinden. So gelangte ich das erste Mal mit einem Fahrstuhl in eine Kirche! Hier fand ich die freundliche Helle des Raumes sehr angenehm, wodurch die wertvollen Werke der Frankfurter Kunst des Mittelalters besonders zur Wirkung kamen. In der Gertraudkirche sind sie nämlich vereint, die noch erhaltenen Kunstgegenstände der Gertraud- und Mariengemeinde. Unsere große Bewunderung fanden der monumentale siebenflammige Bronzeleuchter, das Bronzetaufbecken von 1376 und der Marienaltar von 1489. Der Kandelaber aus dem 14. Jahrhundert beeindruckte mit seiner Spannweite von mehr als vier Metern und mit der Darstellung der Lebensgeschichte Jesu an seinem Schaft. Kunstvoll ist auch die aus Bronze gegossene Taufe, die aus einem sechseckigen Becken und einer Haube – einem turmartigen  Baldachin – besteht. Szenen aus dem alten und neuen Testament verzieren sie ringsum. Der Marienaltar besticht durch seine drei lebensgroßen Schnitzfiguren im Schrein und den doppelten Flügelpaaren, die eine dreifache Wandlung für die Werktage und Sonntage sowie die volle Öffnung an hohen Feiertagen ermöglicht.

Mit solch vielen Eindrücken machten wir uns auf, um Sankt Marien – das Wahrzeichen der Stadt Frankfurt/Oder - zu besichtigen. 1945 wurde dieses großartige sakrale Gesamtkunstwerk aus Architektur, Malerei, Glasmalerei, Bildhauerei, Gieß-, Textil- und Holzkunst durch einen Brand zerstört. Seit 1980 wird sie nun in mehreren Bauabschnitten saniert und zum soziokulturellen Zentrum ausgebaut. Es war schon beeindruckend, diesen hohen neugotischen Hallenraum zu betreten! Ganz automatisch folgte. unser Blick den neu aufgemauerten Arkaden und Pfeilern 40 m nach oben zum neuen Dachstuhl aus Lärchenholz.

Aber das Schönste war das helle, bunte, strahlende Licht, das durch die berühmten 11,60 Meter hohen Chorhauptfenster in den Raum flutete. Ein wahrhaft unbeschreiblicher Schatz! Drei Fenster mit 117 farbigen Scheiben gefüllt erzählen die Schöpfungsgeschichte, das Leben Christi und die Antichristlegende. Jeder Besucher, der sich ein Fern- oder Opernglas mitgebracht hatte, konnte sich jetzt freuen, denn diese biblische Botschaft aus Farbe und Licht war damit wesentlich besser zu erkennen. Wir staunten über das Ausmaß an Leuchtkraft und Helligkeit und über die Präzision der ausgeführten kunsthandwerklichen Arbeiten aus dem „finsteren“ Mittelalter. St. Marien und ihre Kunstschätze waren genug Gesprächsstoff für unser anschließendes Mittagessen im Frankfurter Ratskeller. Aber unsere Fahrt war damit noch nicht zu Ende.

Neuzelle

Anschließend fuhren wir nach Neuzelle, das nur wenige Kilometer südlich von Frankfurt/O. liegt. Hier besichtigten wir die Stiftskirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Neuzelle. Neu restauriert zeigte sie sich in ihrer vollen barocken Pracht. Sie ist das größte und bedeutendste Barockdenkmal Ost- und Norddeutschlands und bis auf den heutigen Tag eine katholische Kirche geblieben. Ihre Besonderheit sind fünf Altarpaare, die die Pfeiler umgeben und förmlich an ihnen „emporwachsen“. Meine Augen hatten, angesichts solch überreicher barocker Kunst in einem Raum, Schwierigkeiten einen Ruhepunkt zu finden.

Bescheiden nahm sich dagegen die Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz , ehemals Pfortenkirche des Klosters, aus. Ihre barocke Innenausstattung fällt bis auf den Altarraum deutlich weniger üppig aus. Es ist eine evangelische Kirche, die dringend Geld für ihre Restaurierung – besonders des wertvollen Kreuzaltars – benötigt. Hier hielten wir inne und suchten Ruhe und innere Einkehr mit einer Andacht, die Herr Pfarrer Dr. Kähler hielt. Anschließend ließen wir uns mit Kaffee und Kuchen im nahegelegenen Gasthaus verwöhnen und erfreuten uns noch mit einem kurzen Spaziergang im hübsch angelegten Klostergarten.

Mit unserer Heimfahrt ging ein wunderschöner Tag voller Freude und Kunstgenuss zu Ende, der sicher noch lange bei jedem Teilnehmer in Herz und Seele nachklingt. Dank sei unseren beiden Pfarrern für die Organisation, Vorbereitung und Durchführung gesagt. Dass wir uns auf die nächste Ausfahrt freuen, ist sicher der schönste Lohn!                     

Elke Hirthe

PS: Die nächste Ausfahrt ist bereits für den 29. Mai 2010 geplant (die Redaktion)