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Kirche ist eine geschenkte Bewegung ...
…. und ein geschaffenes Gebäude?

Seit Pfingsten wissen wir: Das Wesentliche, was die gemeinschaftliche Pflege des Kontaktes zu Gott in der christlichen Religion ausmacht, das kommt von Gottes Geisteswehen. Ohne ihn wäre jede Frömmigkeit nicht mehr als ein anstrengendes Bemühen, wären die Gottesdienste – wenn’s gut geht - erbaulich wie ein Konzert, aber eben auch nichts anderes als der Genuss gewisser Formen menschlicher Künste.

Wie geben wir dem Geist Gottes in unseren inneren Schwingungen Raum? Wie geben wir ihm Raum, wenn wir als Christen in einer Region aneinander Anteil nehmen?

Falls wir dafür äußere Räume brauchen: Diese Räume unterstützen unsere Versuche, gemeinsam zu Gott zu beten, gemeinsam Gott zu ehren und gemeinsam zu lernen, wie wir leben können, wenn uns Gott etwas bedeutet.

Damit diese äußeren Räume diese Funktion gut leisten, sollten sie gut zu gebrauchen und ansprechend sein.

Unter ökonomischen Gesichtspunkt kann aber nur so viel Raum vorgehalten werden und können nur so viel Mittel, den Raum zu betreiben, eingesetzt werden, wie dafür Geld eingesetzt wird.

Was unsere Kirchengemeinde wirtschaftlich kann und was nicht

So hatte die Johannisthaler evangelische Kirchengemeinde in den 1930er Jahren noch vor, eine „richtige“ Kirche zu bauen. Aber man bekam das Geld dafür nicht zusammen. Zu „DDR-Zeiten“ arbeitete die Johannisthaler Gemeinde wie andere Kirchengemeinden in der DDR mit finanziellen Mitteln von außen.

Vor 15 Jahren wurde deutlich: Wir haben in unserer Gemeinde nicht so viel Geld, dass wir alle MitarbeiterInnen wie bisher bezahlen können. In der Konsequenz arbeiten in unseren Gemeinden weniger MitarbeiterInnen mit einem Gehalt von der Kirchengemeinde. Wir müssen weiter fragen: Wie setzen wir Geld verantwortungsvoll ein und wo können wir sparen? Was wollen wir für MitarbeiterInnen ausgeben, was wollen wir für Gebäude ausgeben, was haben wir da jeweils auch für finanzielle Verpflichtungen?

Zum Unterhalt der Gebäude: In Zeiten voller Kassen kann die Frage nach Ausbesserungen verbunden werden mit der Frage, ob wir etwas ausbauen sollten. In Zeiten, da die Einnahmen zurückgehen, muss die Frage nach nötigen Reparaturen verbunden werden mit der Frage, was wir am Gebäude einsparen können. So musste die Frage nach der Reparatur der Haustür oder nach der Erneuerung der Beleuchtung verbunden werden mit der Frage: Mit welchem Ziel investieren wie da rein? Denn wir müssen unsere Investitionsmittel dazu nutzen, um zu sparen.

Die Frage, wie wir Investitionsmittel nutzen können, um Ausgaben zukünftig zu verringern, müssen wir mit Abstand früher stellen, als dass uns die laufenden Kosten den Haushalt auffressen. Weil jeder umbaute Raum Kosten verursacht, haben wir im Februar 2007 gefragt: Welche Räume werden wir in 10 Jahren brauchen? Und in einem zweiten Schritt: Wie können wir das Raumprogramm so gestalten, dass die Räume möglichst vielfach genutzt werden?

Schmerzliche Abschiede

Wie sich wohl jeder gewünscht hätte, dass mehr MitarbeiterInnen in unserer Gemeinde weiter arbeiten können, so gibt es auch viele Wünsche, Räumlichkeiten in unserer Gemeinde zu erhalten. Ich denke nur an solche Wünsche, die für unsere Arbeit in der Gemeinde gut begründet sind bzw. die den Erhalt dessen wünschen, was sich bisher bewährt hat. Aber das wird leider nicht auf Dauer bezahlbar sein.

Deswegen haben wir Architekten gebeten, unsere Ideen umzusetzen, in welche Richtung wir die Räume in Zukunft ansprechend gestalten und zugleich die Kosten für den Betrieb der Räume senken wollen. Das Gremium des Kirchenkreises für Baufragen hat uns beraten, welchen der drei Anbieter wir auswählten.

Es stellte sich heraus: Einen Umbau unseres vorhandenen Gemeindezentrums können wir nicht bezahlen, nicht mal einen deutlich billigeren Neubau. Auch bei einer sehr engagierten Spendenbereitschaft von vielen Johannisthalern wäre es unrealistisch darauf zu setzen, dass wir allein auf Dauer das Gemeindezentrum erhalten könnten. Das wäre allenfalls anders, wenn sich die Gemeinde entscheiden wollte, die Personalkosten für Pfarrer und Kirchenmusiker gen Null zu fahren; diese Idee ist bisher nicht zur Geltung gebracht worden.

Jetzt stehen wir an dem Punkt: Der Kirchenkreis hat sich bereit erklärt, erhebliche Mittel aus Kirchensteuergeldern ganz besonders in unsere Gemeinde zu geben, wenn das dem Masterplan dient: Dahin gehend zu investieren, dass Betriebskosten gesenkt und Räume ansprechend und zur vielfältigen Nutzung umgebaut werden. (Siehe Gemeindebrief Januar 2010)

Was wir gleich im November 2008 gemacht haben: Wir haben die Decke über dem Kirchsaal dämmen lassen. Das Weitere lässt sich nur im Komplex angehen. Dazu gehört: Vollwärmeschutz der Außenwände, Dämmung der Fußböden, Erneuerung der Heizung, Isolierfenster, gedämmte Türen; sowie: Gestaltung des Kirchsaals und des Gemeindesaals so, dass sie möglichst gut vielfältig zu nutzen sind. Dazu gehört, dass wir das Volumen des umbauten Raums verringern; denn das wirkt sich auf die künftigen Erhaltungskosten und die ständigen Betriebskosten aus.

Das heißt: Räume, die wir vorhalten, werden vielfältiger genutzt (Fußnote 1).  

Das sind die Mindestziele, um die Ausgaben für unser Gebäude in Zukunft in einem realistischen Rahmen zu halten.

Auf der anderen Seite kann mit mehreren guten Gründen gefragt werden: Sind diese Investitionen gerechtfertigt?

Die Alternativen

Noch sind wir in einem Stadium, in dem die Kosten der Teilinvestitionen errechnet werden, um sie im Gesamt-Kostenrahmen abzuwägen. In unserer Gemeinde gibt es drei verschiedene Meinungen dazu: 

  • Wenn uns so viel Solidarität aus dem Kreis anderer Gemeinden zugesagt wird, um unser Gemeindezentrum zukunftsfähig zu bauen, dann sollten wir das machen.
  • Wir sollten wie bisher von Jahr zu Jahr sehen, was wir aus unseren finanziellen Möglichkeiten her reparieren und erneuern können. - Uns ist bewusst, dass das (mit der Heizung usw.) nur noch ein paar Jahre so geht. Aber wir werden sehen, was dann ist: entweder gibt es dann viel mehr Geld, als wir jetzt rechnen, oder wir müssen eben dann den Standort schließen.
  • 450.000 € in unser Gemeindezentrum zu stecken, ist nicht gerechtfertigt: Wir sollten viel mehr Geld in Personal und Arbeitsmittel ausgeben. Ganz zu schweigen von der Frage, ob es der Kirche ethisch gut ansteht, so viel in Räume zu stecken anstatt damit anderen Menschen zu helfen. (Dieser Ansatz begründet sich also aus dem Verständnis von der Entwicklung unserer Gemeinden, aus wirtschaftlichen und ethischen Aspekten.)  - Uns ist bewusst, dass wir uns damit dafür entscheiden, die kirchliche Arbeit regional zu verlagern. Weitere Wege nehmen wir in Kauf, können aber auch darin Chancen sehen, wenn wir mit Christen aus einem weiteren Bereich zusammen sind (Fußnote 2). 

Wir werden auch nach langen Diskussionen in unserer Gemeinde nicht zu einer einhelligen Einsicht in dieser Frage kommen. Aber wir müssen es entscheiden. Und wir müssen es recht bald entscheiden, weil sich die finanzielle Lage für unsere Kirche inzwischen so verändert hat, dass sich sonst Option eins von selbst erledigt. Wenn wir aber entscheiden, dann sehe ich nicht, dass es ein sowohl als auch geben kann – wir müssen uns ehrlich eingestehen, dass wir nicht sowohl alles erhalten können, was wir bisher an Räumlichkeiten hatten, als auch eine effizientere Heizung einbauen und noch dämmen usw.

Deswegen bitte ich alle, die hier verantwortlich mitdenken, zu sagen: Ich bin bereit, den jeweiligen Preis der Entscheidungsrichtung, für die ich bin, zu zahlen: z.B.

  • viel in ein Gemeindezentrum mit weniger Raummöglichkeiten als bisher in Johannisthal zu investieren
  • zu riskieren, dass wir den Standort in ein paar Jahren aufgeben müssen
  • dahin umzuorientieren, dass wir mit weiteren Wegen als Christen zusammen kommen.

Die Gemeindeleitung hat sich nach langem ernsthaften Ringen und argumentativem Abwägen für die erste Variante entschieden. Nur so war es möglich zu erfahren, dass der Kirchenkreis und die Landeskirche (Fußnote 3) uns auf einem solchen Wege unterstützen würden. Nur so konnten wir in den letzten Wochen in Auftrag geben, dass fachlich durchgerechnet wird, was das konkret heißt. Also, wir mussten schon Geld ausgeben, um das fundiert beurteilen zu können. Jetzt müssen wir sagen, ob wir das immer noch für lohnend halten.

Wenn entschieden ist …

Da nach allen Abwägungen in vielen Gesprächen – auch durch die beiden letzten Gemeindeversammlungen - die Entscheidung für eine der drei Optionen gefallen ist, hoffe ich sehr, dass sie respektiert und von möglichst vielen mitgetragen wird. In diesem Sinne arbeitet ja längst der Förderverein für unser Gemeindezentrum.

Gleichwohl wird auf allen Ebenen Schritt für Schritt geprüft, ob die Planungsergebnisse im Sinne des Anliegens zum Ziel führen. Dazu gehört: Alle Kostenvoranschläge werden auch von der übergeordneten kirchlichen Ebene geprüft. Denn man kann zwar davon ausgehen, dass keine Gemeinde mehr als unbedingt nötig ausgeben will, aber es soll noch einmal drauf geschaut werden,

  • dass dabei die Gelder - auch in der kirchlichen Landschaft im weiteren Radius gesehen - gut eingesetzt werden
  • und dass - mit breiteren Erfahrungen beurteilt - auch die angemessenste Variante eingesetzt wird.

Erst, wenn die Varianten, die der Architekt sowie die Fachplaner in Beratung mit Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche gefunden und durchgerechnet haben, auf  diesen drei Ebenen als die vergleichsweise günstigsten anerkannt wurden, werden die nächsten Schritte gegangen (Fußnote 4). 

Reinhard Kähler

Fußnoten:

1 Praktisch ist wohl nur möglich, auf den Gebäudeteil hinter dem Kirchsaal zu verzichten. Was im bisherigen Raum für Christenlehre stattfand, wird im Gemeindesaal sein.

2 Sowohl in Ostdeutschland als auch in Westdeutschland müssen in diesen Jahren ja viele Kirchengemeinde Gemeindehäuser und andere kirchliche Gebäude aufgeben.

3 Die Landeskirche hat dem Konzept für die Grundsanierung im Februar 2010 zugestimmt, nachdem wir mit Hilfe des Kirchenkreises einen Finanzierungsplan aufgestellt haben. Daraufhin konnte offiziell ein Architekt beauftragt werden.

4 Der Architekt ist jetzt beauftragt mit Grundlagenermittlung, Vorplanung und Entwurfsplanung. Der nächste Schritt wäre: er wird beauftragt mit Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung und Vergabevorbereitung.