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Rückblick
Jerichow, Tangermünde, Wust und Briest waren eine Gemeindereise wert

Nach wochenlangem Regen war das Wetter am 5. Juni wunderschön. Wir fuhren durch die sonnige grüne Landschaft. Und Pfarrer Kähler sprach sehr interessant über die Geschichte Brandenburgs und über Orte, die wir von der Autobahn aus nur erahnen konnten. Nach einer kurzen Kaffeepause bei Ziesar fuhren wir auf Landstraßen weiter – mitten durch Wiesen, die mit violett leuchtenden Blumen übersät waren, oder entlang von Feldern, wo der Klatschmohn und blaue Kornblumen leuchteten, und durch gepflegte Dörfer. Schließlich sahen wir in der Ferne die Türme von Kloster Jerichow. Wir hielten dicht neben der imposanten romanischen Backsteinkirche, die 1150-1200 erbaut wurde.

Der Umgebung sieht man an, dass sie lange landwirtschaftlichen Zwecken diente. Auch die Klosterräume wurden seit dem 16. Jahrhundert für verschiedene Manufakturen genutzt; wir sahen z.B. noch die Rauchspuren von Schmiedefeuern. Wir gingen zuerst ins Sommerrefektorium mit seinen schönen, gut erhaltenen Säulenkapitellen in klaren lichten Formen. Der Kirchenführer sprach über die Herstellung der Backsteine in Handarbeit: das war eine harte Arbeit – jeder einzelne Ziegel musste mit den Händen in eine Form gedrückt werden. Durch den Kreuzgang gingen wir in die Kirche. An der Schwelle wurden wir allerdings aufgehalten: Sehen Sie mal, an dem steinernen Türpfosten die alten Schmuckelemente – ein Fuchs in einer zu kurz geratenen Mönchskutte und um die Ecke zwei Gänse. Was das soll? – Unter den Mönchen erzählte man sich damals diese Fabel:

Ein Fuchs wollte sich einmal eine fette Gans schnappen. Weil ihm die Gänse aber immer wieder entwischt sind, hat er sich eine List ausgedacht. Er hat sich als Mönch verkleidet und hat angefangen zu predigen. Und er hat gepredigt und gepredigt - bis die Gänse eingeschlafen sind. Und als sie dann alle fest schliefen, hat er sich eine von ihnen geschnappt.

So wurden wir Eintretenden vor falschen Predigern gewarnt.

Wir betraten den großartigen romanischen Kirchraum, der glücklicherweise erhalten geblieben ist. Nur ein paar Stufen geht man hinunter in die Krypta, einen wunderschönen Raum, in dem wir eine stimmungsvolle Andacht – in Anlehnung an die Art der Mönche – hielten.

Dann fuhren wir über die Elbe nach Tangermünde. Auf Deck des Restaurantschiffes „Störtebecker“ aßen wir zu Mittag, direkt an der Mündung der Tanger in die Elbe, mit Blick über die Elbauen.

Dann gingen wir vom Hafen hoch in die Stadt: In die Stephanskirche, in deren großem gotischen Raum es angenehm kühl war. Wir nahmen in der Mitte der Kirche, gegenüber der barocken Kanzel, Platz und wurden von dem Organisten eingeführt in die ganz besonderen Schätze dieser Orgel der Kirche. Sie wurde 1623/24 von Hans Scherer d.J. aus Hamburg gebaut und enthält jetzt noch die Hälfte der alten Pfeifen. Sie sieht mit ihrem Renaissanceprospekt aus dunklem Eichenholz anders aus als viele Orgeln in unserer Gegend. Dann spielte der Organist auf dieser Orgel. Das war für mich der Höhepunkt der Reise. Wir hörten von Scheidemann ein Präambulum, von Samuel Scheidt 12 Variationen auf den Choral „Warum betrübst du dich, mein Herz“ und von Franz Tunder „Präludium in G“. Auf dieser Orgel lässt sich zwar eigentlich nur Musik aus dem 17. Jahrhundert spielen, aber das Konzert zeigte: Dafür kann die Orgel unglaublich unterschiedliche Klänge hervorzaubern.

Nach dem Konzert konnte jeder die Stadt selbst erkunden oder das Eröffnungskonzert des Altmärkischen Kirchentages miterleben, ein Musical, das 50 Kinder und Jugendliche aus der Region mit tollem Orchester und hervorragender Choreografie aufführten – moderne Musik, die begeisterte. Man konnte sich auch – wie ich es tat – weiter in der Stephanskirche umschauen: Da sind eindrücklich mehrere Holzbildwerke aus dem 15. Jahrhundert; besonders berührte mich ein „Christus in der Rast“. Interessant war auch die bemalte Empore und eine kleine Madonna auf einem Hirschgeweih.

TangermündeNatürlich ist in der Stadt, in der noch ganze Straßenzüge alter Häuser stehen, sehenswert der herrliche Schmuckgiebel am Rathaus. Auf der Burg fand ich einen schattigen Platz unter großen Bäumen, neben dem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, als die Burg Nebenresidenz von Kaiser Karl. IV. aus Prag war.

Dann fuhren wir nach Wust, um uns die alte Dorfkirche anzusehen. Sie hat eine wunderschöne bemalte Kassettendecke; sie war durch Kerzenruß konserviert und in den 1970er Jahren wieder freigelegt worden. Einst lebte die Familie von Katte in Wust: Manche kommen nach Wust, um die Gruft in der Kirche zu besuchen, in der auch der Sarg von Hans Hermann von Katte steht, der 1730 hingerichtet wurde, weil er vom (missglückten) Fluchtvorhaben des damaligen Kronprinzen Friedrich wusste.

Wir fuhren ein paar Kilometer weiter in das Dorf Briest. Dort erlebten wir eine Überraschung. In der Kirche waren drei lange Tafeln zum Kaffee gedeckt. An der Stirnwand war ein Theatervorhang, und der Pfarrer erzählte uns, dass in dieser Kirche seit den 70er Jahren Marionettentheater aufgeführt wird. Wir sahen eine Kostprobe davon.

Zurück fuhren wir wieder durch die sonnige Land¬schaft und ließen das Erlebte in uns nachklingen. Die Fahrt war gut organisiert und sehr harmonisch.

Vielen Dank an Frau Böhnke, Herrn Pfarrer Kähler und Herrn Bauer.

Ingeborg Voss