logo Headline

Startbutton Kontaktbutton

Gemeindelebenbutton
Gottesdienstplanbutton
Aktuellesbutton
Veranstaltungsbutton
Kirchenmusikbutton
Christenlehre
Archivbutton
Linksbutton

Unsere Kleinorgel
Geschwisterlich teilen

Wer beim Gemeindeabend am 7. Januar dabei war, sah Fotos aus Gussew, von verputzten und von verkommenen Häusern im Gebiet Kaliningrad, Gesichter von verschiedensten jungen und alten Menschen. Was gehen die uns an? – Na, die Kleinorgel, die 20 Jahre in unserem Gemeindesaal stand, ist da hin gegangen.

Das kam so: Die Kleinorgel wurde früher gespielt, wenn wir im Winter Gottesdienste im Gemeindesaal feierten. Das war in den letzten Jahren nicht mehr so, da auch die Gottesdienste im Winter im Kirchsaal und mit der großen Orgel gefeiert wurden. So wurde die kleine Orgel so gut wie nie gespielt. Gesänge im Gemeindesaal wurden auf dem Klavier begleitet. Nach der Grundsanierung unseres Gemeindezentrums werden wir die Gottesdienste weiter auch im Winter im Kirchsaal feiern.

Wo aber könnte die Orgel noch nützlich sein? - In Deutschland gibt es so viele Orgeln zu viel, dass der Marktwert einer Orgel (das ist etwas anderes als der Versicherungswert) gleich Null ist. So kam die Frage auf: vielleicht haben Christen außerhalb Deutschlands noch nicht so viele Orgeln?

Tatsächlich, im Gebiet Kaliningrad hörten evangelische Christen diese Frage mit großer Freude. Und sie sagten: Wir würden uns freuen, wenn Eure Orgel nach Gussew kommt.

Das können wir als Gemeinde nicht allein entscheiden. Der Orgelsachverständige unserer Landeskirche sagte sofort: das ist richtig diese Orgel abzugeben, denn Sie haben ja in demselben Gebäude die große Orgel. Und die zuständige Aufsichtsbehörde der Kirche stimmte zu, dass diese kleine Orgel von Johannisthal nach Gussew geht. Unser Kirchenkreis hat viele Verbindungen zu jenem ehemaligen ostpreußischen Gebiet und freute sich, dass wir dorthin etwas geben können. Die Kosten übernahm die Nordelbische Kirche als Partnerkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Kaliningrader Gebiet.

Gumbinnen   Gumbinnen

Die Orgel wurde am 9. Dezember von der Herstellerfirma Schuke fachmännisch abgebaut und dort am 15. Dezember aufgebaut, nachdem sie aus Gussew abgeholt worden war.

GumbinnenWeihnachten wurde die Orgel im Gottesdienst an ihrem neuen Standort eingeweiht. Die Gemeinde Gussew hat sich über das Orgelgeschenk zu Weihnachten sehr gefreut.Vielleicht erscheint es Ihnen so: Die Orgel ist nun an einen fremden Ort im fernen Osten gekommen.

Sie konnten aber auch schon im Gemeindebrief lesen: Manche aus unserer Gemeinde haben frühere familiäre Beziehungen nach Ostpreußen, und manche sogar ausgerechnet in diese kleine Stadt in Ostpreußen, Gumbinnen. Z.B.: die Großmutter der Gebrüder Pakulat wurde in Gumbinnen konfirmiert, und zwar gerade in dieser evangelischen Kirche.

GumbinnenEs gab bis zum II. Weltkrieg in Gumbinnen drei evangelische Kirchen. Nach der Wende vor 20 Jahren wurde eine davon wieder aufgebaut. Das ist die Salzburger Kirche. Bei unserem Gemeindeabend war viel Interessantes darüber zu hören, wie Protestanten aus dem Salzburger Land durch die Gegenreformation vertrieben, gerade nach Ostpreußen kamen; ja, viele von ihnen versammelten sich in Gumbinnen. Mit dem Ende des Krieges wurden alle Deutschen dort vertrieben. Die russischen Familien, die seither dorthin kamen, haben nichts mit den vormaligen deutschen Bewohnern zu tun. Sie sind Atheisten, Russisch-Orthodoxe Christen oder Muslime. Und doch gibt es etliche evangelisch-lutherische Christen, die sich zu einer Gemeinde zusammengefunden haben. Und sie haben nach der Wende das als Baulager genutzte und völlig heruntergekommene Kirchgebäude wieder aufgebaut. Wir wün-schen ihnen, dass sie das gut erhalten können, auch mit der starken Sozialarbeit, die sie leisten.

Sie brauchen einige Unterstützung aus Deutschland. „Was können sie dafür, dass sie, die den Krieg gewonnen haben, so viel verloren haben?“ so fragte beim Gemeindeabend Pfarrer Schlemmer, der letztes Jahr monatelang in Gussew war. Ein Besucher, der dort regelmäßig ist, sagte beim Gemeindeabend: Durch die vielen deutschen Hilfen hat sich das Bild der Deutschen unter den Russen in den letzten Jahren verändert - sie erscheinen nicht mehr als die, die Russland überfallen haben, sondern als die, die friedlich helfen. Das ist angesichts des Traumas des Krieges eine bedeutende Entwicklung. Ein anderer Besucher des Gemeindeabends war ganz begeistert von dieser Schenkung: dass wir etwas in den abgeschriebenen Osten geben!

Wie kann die Gemeinde eine Orgel verschenken? Wie sollten wir nicht, wenn wir im Überfluss haben, denen geben, die Mangel leiden?

Das wäre schon Grund genug. Man könnte darüber hinaus an dieser Stelle auch daran denken: Wir als Johannisthaler Gemeinde wurden jahrelang beschenkt von Christen, die weiter im Westen wohnten, – sowohl durch Überweisungen aus ihren Kirchensteuern als auch durch konkrete Spenden aus der Partnergemeinde. Die bauliche Erhaltung des Gemeindezentrums verdankte sich zu DDR-Zeiten weithin Schenkungen von christlichen Geschwistern. Und die Anschaffung der Kleinorgel wurde wesentlich durch Spendensammlungen in unserer Partnergemeinde in Sennestadt gesponsert. Ein Herr war dabei ganz aktiv beteiligt, der sich wiederum immer mit seiner Heimat in Gumbinnen verbunden wusste. Manche sprechen von einer göttlichen Fügung, wie sich hier ein Kreis schließt.

Herr Schaper, der die Orgel in Gussew aufgebaut hat, hat uns herzliche Grüße von der Gemeinde dort mitgebracht. Man würde sich dort über einen Besuch aus Johan-nisthal freuen. Die Kantorei unserer Gemeinde plant schon für September diesen Jahres nach Gussew zu fahren.

Reinhard Kähler


Weiteres zum Thema:

Unsere kleine Orgel erklingt zu Weihnachten in Gumbinnen
(Dezember 2010) Im Gemeindebrief vom Mai diesen Jahres haben Sie ja gelesen, dass wir die Küche im Gemeindehaus vergrößern. Dann ist aber kein Platz mehr dort für unsere kleine Orgel. Die Gemeinde in Gussew/Gumbinnen freut sich jetzt sehr darauf, diese Orgel zu bekommen. Am 9. Dezember wird sie abgebaut und von der Gemeinde in Gussew abgeholt. Ein paar Tage später soll sie dort bei einem Adventskonzert erklingen. ...

Die Salzburger Kirche in Gumbinnen  
(Dezember 2010) Die Salzburger Kirche wurde 1752 für die Salzburger Glaubensflüchtlinge erbaut, die mit Unterstützung von König Friedrich Wilhelm I.  in Gumbinnen eine neue Heimat gefunden hatten. Salzburger Kirche in GussevPreußen hatte zwanzigtausend lutherischen Bauern aus dem Erzbistum Salzburg religiöses Asyl gewährt und 1732 die Aufnahme von vierzehntausend Salzburgern in Ostpreußen verfügt. ...