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Auf den Spuren der „kleinen“ Johannisthaler Orgel

Nun ist sie weg, die kleine Orgel aus dem Gemeinderaum. Wohin? Nach Russland in die Salzburger Kirche in Gussew (Гусев). Wie es dort wohl sein mag?
Uns, 21 Sängerinnen und Sänger der Kantorei Johannisthal, ein Gemeindekirchenratsmitglied und unseren verehrten Herrn Kantor, packten Neugier und Reiselust. Die Einladung der beschenkten Gemeinde erschien vielversprechend: Es galt ein uns unbekanntes Land im Osten zu entdecken, ein besonderes Stück Russland zu erleben und der evangelisch-lutherischen Gemeinde Gussew und der nun dort beheimateten Orgel einen Besuch abzustatten. 

Salzburger Kirche in Gussew

Salzburger Kirche in Gussew

Wir konnten es selbst kaum glauben, aber nach bangem Warten auf unsere Visa, vielfältigen organisatorischen Herausforderungen (unser großer Dank gebührt Marie) und einigen spontanen Planänderungen konnte es dann endlich losgehen. Ein Teil von uns konnte sich mehr Zeit nehmen und reiste schon einige Tage vorher an. Nach einer abenteuerlichen Busfahrt über die Schlaglochteppiche der russischen Landstraßen, konnten sie in Ruhe das „kleine“ Russland zwischen Kaliningrad und Gussew erkunden.

Die neun später abgereisten KantoreisängerInnen trafen nach ähnlich aufregenden Er“fahr“ungen pünktlich zum Frühstück am 23. September in Gussew ein. Dort wurden wir herzlich von Alexander – der guten Seele des Hauses – empfangen und gleich nach dem Essen auf eine Stadterkundungstour entführt. Stolz zeigte er uns bedeutende Gebäude, laufende Projekte und erzählte Anekdoten und Wissenswertes zum Leben und Wirken der Gemeinde in Gussew. Um weitere Eindrücke zu ermöglichen, wurden wenig später spontan Autos und Fahrer organisiert und wir erlebten eine Rundfahrt durch die nähere Umgebung: zum Gestüt Trakehnen, durch Dörfer, vorbei an einem stillgelegten alten Bahnhof und Kirchen und erhaschten einen Blick auf die Rominter Heide. Das alles wurde begleitet von Alexanders lebhaften Erzählungen und der strahlenden Nachmittagssonne.

Gegen Abend fand schließlich das freudige Zusammentreffen der zwei Reisegruppen im Diakonie-Haus der Salzburger Kirche statt. Wir wurden mit köstlichem Abendbrot, dem traditionellen Verdauungsgetränk sowie herzlichen Worten der Pfarrerin Tatjana Wagner und der Gemeindevorsitzenden Jelena willkommen geheißen.

Tatjana und Jelena

Pfarrerin Tatjana Wagner (rechts) und Gemeindevorsitzende Jelena

Am Sonnabend folgte ein gemeinsamer Tagesausflug mit der Pfarrerin und einigen Gemeindegliedern nach Kaliningrad. Dort besuchten wir die evangelisch lutherische Probstei, lauschten Orgelklängen in der Kathedrale zu Königsberg, bestaunten die Schätze des Bernsteinmuseums und legten unterwegs des öfteren Fotopausen an Burgruinen und anderen Sehenswürdigkeiten ein. Voll beladen mit Eindrücken ging es zurück nach Gussew, wo der Abend nach einer kurzen, aber intensiven Chorprobe bei Spiel, Spaß und Gesang so langsam ausklingen konnte.

In der Königsberger Kathedrale

Orgelkonzert in der Königsberger Kathedrale

Der heiß ersehnte Höhepunkt und damit das Ziel unserer Reise sollte am Sonntag das bereits angekündigte Konzert unserer Kantorei mit Zwischenklängen der ehemaligen Johannisthaler Orgel sein. Zuvor feierten wir einen gemeinsamen Gottesdienst, der sowohl in deutscher als auch russischer Sprache gehalten wurde. Abwechselnd sangen der Gemeindechor aus Gussew und die Kantorei, die Orgel erklang und zwei Kinder wurden getauft. Nach etwa zwei Stunden sprach Pfarrerin Tatjana Wagner den Segen und verkündete überraschend den sofortigen Konzertbeginn (auf Nachfrage wurde uns dennoch eine kurze Toilettenpause gewährt). 

Kantorei in Gussew

Die Kantorei Johannisthal und ihr Kantor beim Konzert in der Salzburger Kirche in Gussew

Das vielfältige Programm aus Chor- und Orgelstücken fand großen Anklang, sehr zur Freude aller beteiligten MusikerInnen. Adele, eine aufgeweckte Sängerin des Gemeindechors, übersetzte eifrig die Erläuterungen des Kantors für die Gemeinde und eroberte mit ihrer liebenswürdigen Art unser aller Herzen. „Ich bin ganz verflüssigt“ meint sie am Ende sichtlich gerührt. Ein rundum gelungener Auftritt in Kooperation mit der kleinen Orgel.

Mittagessen, Luft holen und dann hieß es „druschba“ (Дружба) machen: „Freundschaft“ schließen mit dem gastgebenden Chor in gemütlicher Runde im Gemeindehaus. Das gelang außerordentlich gut. Auf eine lustige Vorstellungsrunde folgten Gesang und Tanz bei Zitherklängen von Mario. Abwechselnd erklangen deutsche und russische Weisen, man kam ins Gespräch, es wurde geschunkelt und die Stimmung war ausgelassen. 

Gemeinsames Singen

Gemeinsames Singen im Gemeindesaal - Дружба - machen

Einige Reisende folgten der Einladung in eine russische Banja, während andere ein von Alexander viel gepriesenes Fresko in der Friedrich-Schule besichtigten und sich von der dort beschäftigten Deutschlehrerin aus dem Alltagsleben im „kleinen“ Russland berichten ließen.

Der aufregende Tag fand gemeinsam mit den neuen Freunden seinen „Ausklang“ am Lagerfeuer bei Würstchen und Brot. Die Nacht war kühl, der Himmel sternenklar und die versammelte Runde rückte dabei auch in den Herzen ein ganzes Stück zusammen.

Lagerfeuer

Singen am Lagerfeuer

Montagmorgen gab es dann vor der Abreise die letzten Umarmungen, gute Wünsche, das obligatorische Segenslied und vor allem das herzliche, einvernehmliche Versprechen: „Wir bleiben in Verbindung“.

Johanna Werner