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Predigt zur Wiedereröffnung des Gemeindezentrums der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Johannisthal am 27. November 2011


Wir ziehen wieder ein in dieses Haus.
Wie zieht Gott da mit?
Oder bleibt er draußen? Weil wir wegen Überfüllung geschlossen haben – für Gott? -

Weil wir nicht gerade über Langeweile klagen können - ausgefüllt mit allem, was wir zu tun haben, was uns interessiert, worum wir uns kümmern, was wir gern miterleben und wo wir ausspannen …

Platz für Gott? – Bei wem in Johannisthal? -
Sie, ja Sie gehen extra in den Gottesdienst. So machen Sie Platz für Gott. –
Dieses Haus soll ein Platzhalter für Gott sein, in Johannisthal.

Ein Mitglied unserer Gemeinde fragte beim Gemeindeabend Anfang des Jahres den Architekten: „Was macht für Sie einen Kirch-Raum aus?“
Was würden Sie auf diese Frage antworten? …
Ist dieser Saal ein Kirchraum? –
Es kommt darauf an, wie wir ihn nutzen.

Sie kommen heute vielleicht mit dem Bedürfnis, denen aus der Gemeinde Dank zu sagen, die sich viele Stunden engagiert haben … Tun Sie das!
Ich denke, die größte Freude für alle, die in den letzten Jahren hieran mitgearbeitet haben, wird sein: wenn sie erleben, wie gut diese Räume genutzt werden, und wie gern.
Vielfältig genutzt.
Und in der Mitte: Johannisthaler nehmen hier ihr Leben ins Gebet.
Eine Kirche ist ein Einkehr-Haus. Nicht gleich Sendestation. (Wo man vielleicht eine Losung bekommt und dann gleich wieder los-geschickt wird.)
Erst mal ist es ein Einkehr-Haus:
Hier könnt ihr zur Besinnung kommen.
Hier ist Platz, Gott aufzusuchen.
Persönlich, und zusammen mit Anderen.

In früheren Jahren kehrten Berliner in diesem Haus als Ausflugs-gast-stätte ein; in diesem Saal tanzte der Ber-liner.
Daraus wurde die Gast-Stätte, wo Christus „einfliegt“ und uns einen Tisch bereitet.
Wenn wir aus unserem Alltag ausfliegen.
Hier kriegen wir Herz-Klopfen für Gott:
Hier klopfen wir an bei Gott.
Wir legen Gott ans Herz, was uns am Herzen liegt: „… Nun komm, Gott!“
Sicher kommt Gott schon längst nach Johannisthal:
Würden Sie hören, wenn Gott bei uns anklopft?

Es klopft. Von hinten rufend:

Hej, ich stehe an der Tür und klopfe.
Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet,
werde ich zu ihm hinein gehen -
ich werde mit ihm zusammen essen
und er mit mir.

Offenbarung 3, 20

Hört ihr? – Christus!
Er klopft bei uns an.
Wenn wir ihn nicht wollen, hält er sich hier raus.

Wie das? –

  • Wenn wir voll mit uns beschäftigt sind, bleibt er eben draußen.

  • Wenn wir alles einrichten, ohne ihm eine Tür zu öffnen; wenn wir nur unsere Stimmen hören, uns über den und jenen ereifern, und schon immer wissen was gut war und was schlecht ist, dann kommt Christus sich überflüssig vor.

Aber: er klopft an.
Hören wir seine Klopfzeichen?
Christus will hinein gebeten werden.
Christus gibt uns die Freiheit, die Tür nicht zu öffnen; er bricht nicht auf.
Wir können ihn nicht reintragen, wie Inventar. -
Macht hoch die Tür – eures Herzens!
Dann zieht Gott mit seiner Gnade ein.

„Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast“ (EG 10, 2)!
Dann teilt er mit uns in dieser Ausflugsgaststätte, was das Leben nährt.
Wenn wir hier zusammen essen und trinken, dann rufen wir IHN: Sei dabei!
Ja, wenn uns fröstelt oder wenn wir zerrissen sind, lasst uns hier sagen: Komm, Christus!
Wenn wir uns am Leben freuen oder feiern, lasst uns hier sagen: Komm, Christus!

Und anders rum: wenn er klopft und wir IHN herein bitten, sagt er:
„Lasst uns doch das Brot miteinander teilen
und mit dem Kelch des Friedens anstoßen!“ -

Dafür sollten wir diesen Raum schätzen.
Wir sollten ihn doppelt schätzen:

  • Zum einen: Schätzen, was hier diejenigen schaffen, die sich hier an verschiedenen Stellen in der Gemeinde engagieren - die tüchtig etwas bereiten. Auch schätzen, was wir mit Christen aus Nachbargemeinden zusammen tun können und was sie für den Platz hier an Geld beigesteuert haben. –
    Um dem großen Gast an diesem Ort – auch äußerlich – den Weg zu bereiten, machen wir keine Luxus-Renovierung. Nur: wir sind nicht so reich, dass wir uns einen billigen Bau leisten könnten. Wenn Sie sich das Haus daraufhin anschauen, können Sie bestimmt einiges von dem Fleiß und dem Verstand schätzen, die hier eingesetzt wurden.

  • All diese Einsätze und Investitionen sind Türen für den großen Gast. Das schätzen wir, wenn wir auf SEIN Klopfen achten.

Gott ist immer und überall im Kommen. Aber an manchen Türen hören wir vielleicht sein Klopfen besser. -
Ich wünsche diesem Haus Gottes Segen, dass es so ein spiritueller Ort ist, an dem Gottes Klopfen an der Tür besonders gut gehört wird.
Ich wünsche auch der heute beginnenden Adventszeit Gottes Segen, dass sie so eine Zeit wird, in der Gottes Klopfen an der Tür besonders gut gehört wird.

Wenn in diesem Haus Gottes Klopfen besonders gut gehört wird, dann hat sich der Aufwand gelohnt. Das Ziel dieser Renovation wäre verfehlt, wenn nur der Baukörper erhalten worden wäre, sei es zu musealen oder zu Vereinszwecken. Wir kommen zum Ziel mit diesem Umbau, wenn hier wieder der große Gast hereingerufen wird.
Wann immer Sie hier rufen werden: Komm zu uns! Und komm doch, Gott, zu dieser Frau und jenem Mann …!
Lassen wir Christus mitmischen, sonntags, und zu vielen Gelegenheiten mehr.

Zum Advent wird dazu die Mischfarbe violett aufgezogen. Ich muss violett nicht mögen. Seit alters sagt diese Farbe in der Kirche an Übergängen:

„Besinnt euch, wie bereit ihr für Gott seid! Und was ihr dazu loswerden müsst!
Seid ihr offen für die Liebe? Wie Gottes Liebe rot glüht, dass wir freundlich mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst, ja mit Gottes Geschöpfen umgehen.
Und seid ihr bereit für das Blau des Himmels? Gott kommt in die Provinz aller Menschen, kietzübergreifend, so weit der Himmel geht. - Dann findet ihr in seinem Haus Heimat, ohne dass ihr Andere abschreckt.“

Wie können wir zeigen: Gott kommt zu allen?

Wir bauen Kirche nicht, weil wir wollen, dass Johannisthal judenfrei oder muslimfrei sei; im Gegenteil: wir lernen von Gott hier den großen Widerspruch zu denen, die zu Menschen anderer Religionen oder anderer Völker sagen „haut ab!“

Stärkt euch in dieser Raststätte
in Gesellschaft des großen Gastes
für diese weite Freundlichkeit!
Dann wird es wieder Ausflugs-gast-stätte für euch werden.

Allerlei ist nicht fertig. Ist provisorisch – vorläufig, behelfsmäßig, probeweise.
Aber Gott kann kommen. Er hat sich angesagt.
Die auf Gott warten und ihn gemeinsam zu sich bitten,
kriegen neue Kraft, dass sie erleichtert werden und neu losgehen (Vgl. Jesaja 40,31)
Sie kriegen Proviant, Wegzehrung für die Seele.

Macht hoch die Tür!
Barrierefrei, bis zur Straße der Johannisthaler.
Wenn die Glocken klopfen, dann soll hören, wer hören will,
und sich fragen: sollte ich mal suchen, was es mit dieser höheren Macht für uns ist?

Das Haus der Kirchengemeinde heißt öffentlich willkommen.

Reinhard Kähler