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Festkreis des Jahres


Überblick
Weihnachten - Epiphanias

Advent - Erwartung des Kommens des Christus

Der „Advent“ gehört zu den Zeiten im Jahreszyklus, die in der Öffentlichkeit unserer Gesellschaft begangen werden. Das hat so seine eigene Dynamik. 

Die kirchliche Tradition geht so:

„Advent“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „(Hin-)Zu-kommen“. Manchmal wird auch übersetzt: Ankommen / Ankunft. Genauer: Es ist die Zeit, in der erwartet wird, dass der Erwartete komme und ankommt. Erwartet wird, dass Christus kommt, d.h. (aus dem Griechischen) „der von Gott Gesalbte“. 

Die Kirche knüpft damit an eine Erwartung an, wie sie in der jüdischen Geschichte lebendig war: Zu den Voraussagen in den jüdischen Traditionen gehörten folgende Ansagen: Die Lebensverhältnisse sind schlecht; die Verhältnisse sind so schlecht, dass sie unmöglich so sind, wie Gott sich seine Schöpfung gedacht hat. Es reicht nicht mehr, dass die Moral des Volkes gebessert wird. Es bedarf vielmehr noch einer neuen Politik, die auch einer guten Moral entspricht und die Verhältnisse schafft, in denen das Volk nachhaltig, über Generationen hin, wieder lebenswürdig leben und arbeiten kann. Solche Veränderung schafft nur ein Mensch, der von Gott dazu erwählt, gegründet, gestärkt, königlich eingesetzt – also gesalbt – wird. 

Sprecher Gottes sagten zu:

„Gott wird zu seiner Zeit einen solchen Menschen seiner Wahl schicken. Der wird in seinem Sinne und in seinem Auftrag, ja eigentlich als Gottes Retter handeln, durch den Gott selbst kommt.“

Dieser „Messias“ oder „Menschensohn“ oder „König“ von Gott wurde in den Gottesdiensten herbeigesungen. Das kennen Sie sicher aus christlichen Gottesdiensten beim Abendmahl: „gelobt sei, der da kommt im Namen des Herren!“ (1) Und Sie kennen das, denke ich, aus Adventsliedern: Da wird der „König“ herbeigesungen, den Gott schickt und der aus den miesen Verhältnissen rettet. „Dein König kommt, der Friedefürst … Hosianna, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron … Gründe nun dein ewig Reich …!“ (EG 13, 1.3) Es wird Hosianna gesungen – hebräisch (2) „hilf doch!“ (Ps 118, 25). 

Damit wird Gott herbei gerufen, er solle mit seiner rettenden Kraft kommen. Wenn Gott wiederholt so angerufen wird, wird das heraushelfende Kommen Gottes geradezu gegenwärtig. So gleitet der Sinn hinüber zu „gegrüßt seist du, der du kommst“. Von daher konnte der Ruf „Hosianna!“ zu einem Jubelruf werden. Diese Begrüßung wird auch auf den, der im Namen Gottes kommt, übertragen:  „gesegnet sei, der da kommt im Namen Gottes!“ (Ps 118, 26) In ihm vergegenwärtigt sich Gott. In diesem Sinne erzählen die Evangelien, sei Jesus bei seinem Kommen begrüßt worden: Mt 21, 9.

Christen gehen davon aus, dass dieser erwartete „Christus“ - deutsch auch: „Heiland“ - in dem Menschen Jesus gekommen ist. Das sollen wir nicht nur wissen, sondern nachvollziehen. Dafür ist jährlich die Adventszeit als Zeit der Vorbereitung da. Nachdem das Datum der Geburt von Jesus Christus gesetzt war, wurde die Adventszeit bestimmt und schließlich auf die Zeit, die die vier vorausgehenden Sonntage umfasst, festgelegt.

Die Zeit der Vorbereitung ist eine Zeit der Vorfreude. Sie ist zugleich eine Zeit der Besinnung:

  • Wer wird da angekündigt zu kommen?
  • Wozu brauchen wir einen „König“, Helfer und „Heiland“ von Gott?
  • Was sollte denn anders werden? …
  • Wie kann ich mich persönlich darauf einstellen?
  • Und wie will ich mich darauf besinnen?

In vielen Jahrhunderten spielte in der Kirche die Annahme eine große Rolle: bei allen Menschen liegt einiges im Argen. Deshalb sollte diese Zeit der Besinnung sehr stark eine Zeit der Umbesinnung sein.

„Umbesinnung“ ist die Übersetzung des griechischen Wortes, das in der Kirche oft als „Buße“ übersetzt wurde. So gehört die Adventszeit zu den „Bußzeiten“. Um sich neu zu besinnen, wurde gefastet.

Die Farbe in den Kirchen zur Adventszeit ist violett. Sie zeigt eine Zeit an, in der Einkehr und Umkehr angesagt sind – Besinnung und Neu-Besinnung. Im Violett sind Rot und Blau gemischt. Darin stecken

  • Leidenschaft, Sehnsucht und lebensvolle Hingabe … und
  • zugleich erhellter Draufblick - sich nüchtern Rechenschaft geben; sich eingestehen, was ich tue und bewirke und was ich brauche.

In den Gottesdiensten in der Adventszeit finden Sie mehr oder weniger ausgeprägt die Spannung zwischen der Zeit zur Umbesinnung und der Zeit der Vorfreude.

Die Vorfreude wird unterstrichen mit der Sitte des Adventskranzes: Jeden Sonntag wird eine Kerze mehr angezündet. Das ist schön, wenn es dunkel ist. Das ist immer auch ein Zeichen für die Erwartung, was da noch kommt.

Unsere Gewohnheit, dass wir es uns im Advent mit Plätzchen gemütlich machen, ist beliebt, aber sie ist genährt von anderen Beweggründen als den alten christlichen Adventsbräuchen. Die Zeit der inneren Vor-Bereitung wird zur vor-verlegten Zeit, Christi Geburt zu feiern.

Was wird mir in den Sinn kommen, wenn ich mich in der Adventszeit wieder mit diesen Traditionen besinne?




1) Das finden Sie z.B. im Evangelischen Gesangbuch Nr. 185.1, 185.2, 185.3.  (zurück zum Text)
2) Sprache des Alten Testaments. (zurück zum Text)



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