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Was die christliche Tradition von Weihnachten seit alter Zeit einbringt

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

Sie haben vielleicht schon seit Ihrer Kindheit bestimmte Vorstellungen, was für Sie zu Weihnachten gehört. Vielleicht ist es für Sie aber auch interessant, von der christlichen Weihnachtstradition zu lesen. Weihnachten wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert. Deswegen wird es auch „Christfest“ genannt.

Dass die Geburt dieses Menschen solch große Bedeutung hat, setzt voraus, dass Jesus Christus verehrt wird als Mensch, der von Gott aus dem Tod geholt wurde. Darum bringt er mit seinem Leben Gott selbst mitten rein in die Geschichte von uns Menschen. Deshalb wird Weihnachten gefeiert, dass Gott als Mensch geboren wurde. Darin liegt wie in einer Krippe die Hoffnung für alle Menschen bereit: Wenn Gott uns so nahe kommt, dann haben wir gute Chancen, dass wir doch noch froh werden können mit unserem Leben – trotz aller möglichen Behinderungen, Einschränkungen, Gebrechen; und mit unseren Familien, mit merkwürdigen Nachbarn und überhaupt im Zusammenleben mit allen Menschen, die uns etwas angehen. Denn dann steht ja Gott selbst dafür ein, dass kein Menschenleben einfach untergeht. Gott wurde Mensch, damit Menschen Kinder Gottes werden. An Gott liegt es, was über Dunkel und Tod hinaus erhalten wird; und das Kind Gottes wurde Mensch, damit wir Kinder des Lichtes würden, im Himmel reich gemacht werden, indem er uns nahe kommt (z.B. das Lied Gesangbuch Nr. 23).

Also, vorausgesetzt ist: Christen glauben, Gott hat Jesus nicht untergehen lassen, sondern als seinen Sohn angenommen. Auch der Festkalender der Christen entwickelte sich in diesen Schritten: In den ersten drei Jahrhunderten kannte die Christenheit allein das Osterfest als Jahresfest. Erst im 4. Jahrhundert kam die Idee: Wie wunderbar, dass dieser Sohn Gottes als Mensch gelebt hat. Lasst uns seine Geburt feiern!

Damit wird nicht nur daran gedacht, dass an einem historischen Datum in der Weltgeschichte einmal Jesus geboren wurde. Eine Geburt zu feiern, in der Gottes Kommen feierlich begangen wird, hieß in der Antike immer: sein je und je aktuelles Kommen unter Menschen zu feiern. So ist der Sinn, Weihnachten zu feiern: Zu feiern und gottesdienstlich zu begehen, dass Gott kommt, wie er in dem Menschen Jesus gekommen ist.

Das Datum

Warum wird das Geburtsfest von Jesus am 25. Dezember gefeiert? Zwei Erklärungen ergänzen sich:

  1. Man versuchte zu rekonstruieren, was der Geburtstermin gewesen sein könnte. Man kam auf die Idee, dass der Tag der Empfängnis von Jesus der 25. März war, der Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind und die fruchtbare Jahreszeit, der Frühling, beginnt.
  2. Das christliche Fest der Geburt von Jesus hat den antiken römischen Feiertag des Sonnengottes Sol Invictus („unbesiegbare Sonne“) abgelöst. Denn nun war ja Jesus als der erschienen, der das Dunkel ins Licht wendet. „Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein.“ (Gesangbuch Nr. 23)

Der Name „Weihnachten“

In der Nacht der Menschheit geschah etwas. Deswegen heißt dieser Feier-Tag merkwürdiger Weise Weih–nacht. „Weih-“ heißt: heilig. Diese Nacht ist „heilige Nacht“, durch Gott heilsame Nacht. Luther, der gleich an die Geburtsgeschichte dachte, las: „wiegen“ und sprach von Wygenachten, „da wir das kindlein wiegen“. 

Die Weihnachts-Gottesdienste

Der Weihnachtsgottesdienst beginnt in der Nacht des 25. Dezember - eben in der „Christnacht“ - in der Regel um Mitter-Nacht. Da kommt die Feier der Geburt von Jesus Christus hinein, der die Nacht von Elend, Unfriede, Tod und Gottesferne erleuchtet. In einem ganz alten Gebet zu diesem Weih-nachts-Gottesdienst („Christmette“) heißt es: „Gott, du lässt diese Nacht erstrahlen im Geheimnis des wahren Lichtes: Christus ist geboren! Erhalte uns in diesem Licht, bis wir einst den unverhüllten Glanz deiner Gottheit schauen.“

Im westlichen Teil der Christenheit (dem sog. Abendland) wurde es üblich, drei Weihnachtsgottesdienste zu feiern: Um Mitternacht, in der Morgenfrühe und am Tage. Darin wurde die dreifache Geburt Jesu abgebildet gesehen: Die Geburt des Sohnes Gottes aus dem Vater vor aller Zeit; die Geburt des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria in menschlichen Zeit-Verhältnissen; die Geburt Gottes durch den Heiligen Geist in der Seele je und je einzelner Menschen.

Mit der Reformation wurde eine doppelte Ausdehnung der Weihnachtsfeier eingeführt:

  1. Der folgende Tag wurde noch mal mit einem Weihnachtsgottesdienst begangen. Während der Akzent am 1. Weihnachtsfeiertag („Christfest“ I) darauf lag, die Geburtsgeschichte von Jesus, wie sie im Lukasevangelium steht, noch einmal zu lesen, liegt der Akzent am 2. Weihnachtsfeiertag („Christfest“ II) darauf, zu verkünden, dass das Wort Gottes Mensch geworden ist, Johannesevangelium Kap. 1.
  2. In reformatorischen Gemeinden stellte man nach und nach den Gottesdienst um Mitternacht in Frage. In der Folge verlagerte man die Christmette in die frühen Morgenstunden. Und man stieg mit einem Gottesdienst in die Weih-Nacht ein: Man feierte den Gottesdienst am Vorabend als „Christvesper“ („Vesper“ ist der alte lateinische Name für den Abendgottesdienst). Inzwischen ist dieser Gottesdienst am Vorabend, am Heiligen Abend, faktisch zu dem Gottesdienst zur Weihnacht geworden, der für die meisten Christen die größte Bedeutung hat. Für Viele ist er der Einstieg in eine familiäre Weihnachtsfeier.

Epiphanias – der Sinn des Festes

Noch früher als der 25. Dezember war der 6. Januar ein Feiertag für christliche Kirchen. „Epiphanie“ heißt griechisch „Durchscheinen“. Das ist religiös gemeint: Gott scheint in der Welt durch; Gott bringt seine Macht, seine Wirk-lichkeit zur „Erscheinung”. In der Antike und jahrhundertelang in der christlichen Kultur wurde das so verstanden: Wo Gottes Wirklichkeit in der erfahrbaren Welt aufscheint, da ist sie erlöst, gerettet. Neutestamentlich wird davon gesprochen: Im Leben von Jesus - und d.h. mitten in der Welt-Geschichte – erscheint, wie menschenfreundlich Gott ist. Menschen werden heil aus ihrer Geschichte herauskommen, wo Gottes Wirklichkeit in ihren Geschichten erscheint. 

In der Tradition von Weihnachten wird vor allem gefeiert: Weil Gott Mensch wurde, kommen wir Menschen in eine unverlierbare Beziehung zu Gott. Und darum lebt keiner umsonst.In der Tradition des Epiphanias-Festes wird vor allem gefeiert: Wie Gott sich in menschliche Geschichten hineinversetzte, zeigte er seine eigenartige und einzigartige Macht: Er bringt Menschen in sein Licht, in dem sie sich wieder finden können.

Dazu wird erzählt: Magier kamen und huldigten dem neugeborenen Kind Gottes als dem neugeborenen König: sie brachten ihm königliche Geschenke. Er ist der Morgenstern, der doch noch ein lebenswertes Leben aufziehen lässt. Das gibt Menschen Grund, über alle Schicksalsschläge (Sternkonstellationen) hinaus zu glauben: Es macht Sinn, sich als Gottes Kinder menschenwürdig zu verhalten und zu leben. Gott hat die Macht, dass wir nicht irgendwann irgendwo verloren gehen (vgl. im Gesangbuch Lied 67–70 + 74). Diese Macht wird zum Epiphaniasfest gefeiert (vgl. im Gesangbuch Lied 66+71). In Lebensverhältnissen, in denen es manchmal im eigenen Herzen und allzu oft in den Machenschaften sonstiger Mächte finster ist, erscheint Gottes Durchscheinen als rettendes Licht (vgl. im Gesangbuch Lied 72+73). Es leuchtet das rettende Ufer für dieses Leben („Pforte zum Paradies“, „Steg zum ewigen Vaterland“).

Dieses wunderbare Geschehen zu feiern heißt auch: Sich in der Gesellschaft der Feiernden wechselseitig aufzufordern, dieses Licht in sich aufzunehmen, z.B. „lass dein Herz erleuchten ganz von solchem Freudenschein“ (73, 6).

Epiphanias – das Datum des Festes

Die Christenheit hat das Fest der Erscheinung Gottes in Jesus Christus bewusst auf den 6. Januar gesetzt: 

In der Zeit des Erscheinens von Jesus hatte sich im römischen Reich ein solcher Kult um den Kaiser entwickelt, in dem er als Epiphanie, als Ankommen des göttlichen Retters gefeiert wurde. (Das ging zurück auf die Epiphanie Iulius Caesars, der beim Überschreiten des Rubikon am 10. Januar 49 v. Chr. vom Volk als Retter und Gott begrüßt und angebetet wurde.) Dieses Fest wurde Anfang Januar begangen.

Schon im alten Ägypten wurde in der Nacht vom 5. zum 6. Januar die Geburt des Sonnengottes Aton aus der Jungfrau Kore gefeiert. Am Tage des 6. Januar wurde heilbringendes Wassers aus dem Nil geschöpft.

Im 2. Jahrhundert entstand in der Kirche im östlichen Teil des römischen Reiches das christliche Epiphaniasfest, das bis zum 4. Jahrhundert das alte Ritual des Kaiserkultes überlagerte. 

Aspekte des Epiphaniasfestes

Seit der Einführung des 25. Dezembers als Fest der Geburt Jesu Christi wurde am 6. Januar vielfach vor allem die Taufe von Jesus gefeiert. 

Wiederum wurden später drei anschauliche Geschichten am Epiphaniasfest gefeiert: die „drei Wunder“ – die Anbetung der Weisen, die Taufe im Jordan und das Wunder der Wandlung des Wassers zu Wein auf der Hochzeit zu Kana (Johannes 2). Das entsprach der Auffassung: Im Konzert der Religionen war zu vernehmen, dass Jesus Christus von Gott her dreifach für die Menschen wirksam wird –

  • als „König“: der zeigt, was bestimmend ist für das Leben der Menschen;
  • als „Prophet Gottes“: der, von dem Gott sagt, „das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“, der spricht für Gott;
  • als „Priester Gottes“: der das Lebensnotwendige verwandelt so, dass ewiges Leben, Leben von Gott, genossen werden kann.

In den letzten Jahrhunderten wurde zum Epiphaniasfest die Geschichte von der Suche und der Anbetung des Kindes durch die Weisen (oder: Magier) hervorgehoben (nach dem Matthäusevangelium Kap. 2, 1-12).  

Weil in dieser Geschichte von drei Geschenken erzählt wird, nahm man später an: Es waren drei Weisen. Oder auch: drei Könige, weil ihre Geschenke so königlich waren (1). Für diese Deutung sprachen vor allem auch – wie so oft – alttestamentliche Traditionen, vgl. Jesaja 60, 1-6! Natürlich hat man sich Gedanken gemacht, was es mit dem „Morgenland“ (so übersetzt Luther; wörtlich: „Aufgang“, gemeint ist das „Land der aufgehenden Sonne“) auf sich hat. Eine Deutung: die drei alten Reiche Persien, Arabien und Indien (und ihre großen Kulturen) ziehen zu Jesus. Die drei Verehrer des Kindes bekamen schließlich Namen: Caspar, Melchior, Balthasar. So nahm der 6. Januar immer stärker den Charakter eines Heiligenfestes an: Dreikönigstag.

Seither war das Epiphaniasfest damit gefüllt. In der Folge sind andere Aspekte auf die nächsten Sonntage gewandert:

  • Auf den Sonntag nach dem Epiphaniasfest: Das Fest der Taufe von Jesus.
  • Auf den zweiten Sonntag nach Epiphanias: Gefeiert wird, Jesus wandelt Wasser zu Wein und gibt uns Menschen schon einen guten Geschmack am Leben - so, dass wir uns doch hoch-zeitlich freuen können.
  • Dritter Sonntag nach Epiphanias: Gefeiert wird, Jesus kommt und heilt …
  • Vierter Sonntag nach Epiphanias: Gefeiert wird, Jesus kommt und kann den bedrohlichen und tödlichen Mächten in der Schöpfung Einhalt gebieten.
  • Fünfter Sonntag nach Epiphanias: Bedacht wird, die gute Macht von Jesus Christus setzt sich nur stückweise durch.
  • Letzter Sonntag nach Epiphanias (der wird immer begangen, unabhängig davon, wie viele Sonntage die Epiphaniaszeit in dem jeweiligen Jahr umfasst): Im Mittelpunkt steht die Geschichte, in der denen, die mit Jesus zogen, in himmlischen Licht klar wurde, was sie an Jesus haben und dass sie diesen Augenblick erfüllten Lebens gerne fest hielten (vgl. Matthäus 17, 1-9). So sind hier Weihnachten und Ostern drin. Aber es stehen doch noch die Mühen der Ebene und der Täler bevor.

Insgesamt: Auf die Zeit bis zum Beginn des Osterfestkreises fällt noch das Licht des Festes des Erscheinens Gottes. Daher heißt diese Zeit „Epiphaniaszeit“.

Jahreswechsel

Bis zur Festsetzung des Neujahrstages auf den 1. Januar im Jahr 1691 durch den damaligen Papst galt in weiten Teilen Europas der 6. Januar als Jahresbeginn.

Der Jahreswechsel wird gottesdienstlich begleitet, weil er aus mancherlei Gründen als Wandern von einem Alten zu einem Neuen empfunden wird. Das hat seinen guten Sinn. Auch wenn Luther wollte, dass Weihnachten als Beginn einer neuen Zeit gefeiert wird: Gott „schenkt uns seinen ein’gen Sohn. Des freuet sich der Engel Schar und singet uns solch neues Jahr.“ (Gesangbuch 24). Im Festkreis der Verehrung von Gottes Geschichte mit unseren Geschichten hat der Jahreswechsel keine eigene Bedeutung.

In manchen Zeiten hat der 1. Januar aber doch eine gewisse Bedeutung bekommen, immerhin ist es ja der 8. Tag nach der Geburt von Jesus (und große Feste werden mit einer achttägigen Liturgie begangen):

  • Tag des Gedenkens: An diesem Tag wurde der Sohn von Maria und Josef beschnitten (nach jüdischem Verständnis ein Zeichen dafür, zum Volk Gottes zu gehören); und ihm wurde der Name „Jesus“ gegeben (Lukas 2, 21).
  • Oder als Gedenktag an die Mutter von Jesus, Maria; die hat ihren Sohn an diesem Tag ja ein Stück weiter aus ihrem Mutterleib gelöst und ihn seiner Bestimmung übergeben.

Schluß

Solch ein reicher Gabentisch der Traditionen, die sich um die Geburt von Jesus Christus ranken! Etwas davon weiter zu pflegen, ist bestimmt bekömmlich. Immer hilft uns das, dass wir im Weihnachtsfestkreis nicht nur um unser Feiern kreisen: Versuchen wir zu befeiern, was Gott uns an Herzenswünschen erfüllt.


1) Eine andere Assoziation: Nach alten Gebräuchen wurden medizinische Instrumente mit Weihrauch, Myrrhe und Gold gereinigt. (Zurück zum Text)


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