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Erntedank
Sie sehen in der Kirche zu Erntedank Weintrauben, Brot, Äpfel, Nüsse, Mehl, Sonnenblumen, Honig usw. 
… was wird denn „Erntedank“ gefeiert?
„Na, der Ernte danken“, sagt ein Mann beim Dorffest.
„Man muss immer dankbar sein“, sagt streng eine alte Dame.

Ernte

Manche sagen heute: Ernte, das sind alle Arbeiten, die zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte notwendig sind.
Ich würde nicht nur an die Arbeiten zur Ernte denken, sondern auch daran, was da eingebracht wird. Es geht durch viele Hände und Maschinen, die überlegt eingesetzt werden – wer was wann wie bearbeitet. Aber wenn ich von „Ernte“ spreche, dann denke ich daran, dass da etwas zwischen verschiedenen Arbeiten gewachsen ist. Sicher, da ist vorher überlegt worden, was gezüchtet wird, was marktwirtschaftlich für „Produkte“ günstig sind - was welchem Boden abverlangt wird oder wie viel Milch „absetzbar“ ist -, wie der Boden vorbereitet wird, welches vorbereitete „Saatgut“ eingesetzt wird, wie bewässert und gedüngt wird, wie viel in Erntemaschinen investiert wird, über welchen Händler die geernteten „Produkte“ an den Markt gegeben werden. Auch wenn für den landwirtschaftlichen Betrieb die Frage nach dem „Ertrag“ am Ende die Frage nach dem wirtschaftlichen Gewinn ist - im so oder so behandelten Kern steckt darin immer auch die Frage: Was ist gewachsen. Das ist nicht ganz machbar. Das ist auch in Zeiten von Gewächshäusern und Kühlhäusern, von Beregnungsanlagen und Folien, also industrieller Aufzucht und chemischer Aufbereitung im Kern ein Wunder: Elemente von Erde, Wasser, Licht, Wärme und bestimmten Stoffen werden zu Kräften, zu Energien, ja zu Leben! Und Leben kann wachsen oder ist gefährdet.

Wer auf diesen Kern bei der Ernte achtet, der ist am Ende  mehr als stolz oder mindestens zufrieden angesichts der „Ergebnisse“, was der Einsatz von Zeit, Geld, Arbeit gebracht hat: Der ist glücklich, dass die Natur solche Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Danken

Und nun: Alle, die dafür danken, die nehmen es nicht nur so hin, nach dem Motto „das habe ich geschaffen“ oder „das leiste ich mir“. Die spüren hinter allem, was geleistet und gekauft wird: Da kommt mir aus einem viel tieferen Grunde etwas Gutes zu.
Darum nehmen sie es nicht nur so hin. Sie freuen sich daran, gebrauchen es bewusst oder genießen es.
Oder sie werden dankbar daran.
Das so zu empfinden, ist doch wesentlich für unser Leben als Menschen.
Wenn man darüber nachdenkt, könnte man sagen:
Es werden uns ja schon vor unseren menschlichen Leistungen gute Möglichkeiten gegeben, Leben zu erhalten, zu essen und zu trinken … - Wenn ich daran denke, dass uns das von außerhalb unserer menschlichen Leistungen zukommt, dann kann ich mich dazu auch äußern.
Und manche müssen gar nicht erst darüber nachdenken, sie kennen es noch aus ihrer Tradition, dafür Gott zu danken.
Gott zu danken – spontan, wenn mir das wieder auffällt, was ich da Gutes erlebe und erfahre.
Gott zu danken – spontan, wenn ich etwas als ein Geschenk wahrnehme.
Oder Gott zu danken am Abend eines Tages, wenn mir manches noch mal einfällt.
Oder Gott zu danken, wenn ich davor sitze, was ich zu essen und zu trinken habe, was mein Leben erhält.

Ernte-dank-Fest

Dank für die Ernte wird in allen Kulturen gefeiert.
Der Dank wird an Gott bzw. an die Götter gewendet, indem gesungen wird und etwas von dem, was geerntet wurde, geopfert wird.
Darin spiegelt sich wieder: Was wir ernten, sind nicht nur irdische Produkte, sondern Gaben von weiter her (von Gott) für uns. Die Früchte, die aus dem Zusammenwirken von Menschen und göttlichen Kräften gediehen, werden Gott freudig gezeigt (und nicht nur verspiesen). Die Beziehung zum Schöpfer dieser Güter wird gepflegt; dazu gehört: ihm zu zeigen, wie dankbar man ist.
Im ersten Buch Mose wird berichtet, dass Kain ein Opfer von den Früchten des Feldes und Abel ein Opfer von den Erstlingen seiner Herde brachte.
Im Judentum werden in jedem Jahr zwei Erntefeste gefeiert:
  • Schawuot, das Fest der Wochen, zum Abschluss der ersten Ernte nach dem Winter (siehe den Artikel zu Pfingsten in der Juni-Ausgabe).
  • Sukkot, das Laubhüttenfest, als Wein- und Gesamt-Erntedankfest.
Gewöhnlich wird in Europa das Erntedankfest im Herbst gefeiert – eben nach dem Einbringen der Ernte von den Feldern aus den Gästen und vor dem Winter, über den das Geerntete reichen muss.
So auch in vorchristlicher Zeit.

Im Christentum wird ein Erntedankfest seit dem dritten Jahrhundert
gefeiert.
Es gehört nicht zu den Festen, zu denen an eine Station der Geschichte Gottes mit Jesus Christus gedacht wird. Es gibt keinen weltweit einheitlichen Termin für das Erntedankfest in der Kirche, denn das hängt an der Erntezeit. Protestantische Kirchen hatten eine zeitlang den Michaelistag (29. September) mit dem Erntedankfest neu belegt. Als das Erntedankfest mehr von einem Volksfest in einen Sonntagsgottesdienst wanderte, wurde vielfach der Sonntag nach dem Michaelistag genommen. In der Katholischen Kirche in Deutschland wird seit 1972  empfohlen, Erntedank am ersten Sonntag im Oktober zu feiern. Aber das ist nicht zwingend so.