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Andacht
 
„Gott, du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen."
 
Psalm 65, 9   

„Die Aufgänge des Morgens und des Abends machst du, Gott, jubeln.“

Machst du fröhlich, Gott? Lässt du jubeln? -

Oktober.
Mit Wehmut genieße ich den Altweibersommer. Jeden Sonnenstrahl möchte ich am liebsten draußen sein. Und vor dem herannahenden Schatten immer wieder in die Sonnenfleckchen flüchten.
Wenn ich keine Gelegenheit, Zeit oder Muße hatte, mich an den gereiften Früchten zu freuen…
Wenn mir eher aufs Gemüt rückt, dass es grauer wird, nasser und kühler...
Wenn ich dann schon Angst bekomme vor den farblosen, ja dunklen Tagen…
… was macht mir dann noch Freude? –
Vielleicht kennen Sie auch Menschen, die keinen Ausgang vom Tunnel sehen. Sie spüren keinen Saft und keine Kraft mehr in ihrem Körper, und auch nicht in ihrer Seele. Sie wissen nicht, wozu sie aufstehen sollen.
Vielleicht kennen Sie solche Menschen fast ebenso gut wie Sie es von manchen Ihrer Zeiten kennen. -
Manchmal bekommen Sie dann zu hören: „So schlimm ist es doch nun auch nicht.“ „Sieh doch nicht alles so schwarz.“ „Sieh doch mal das Schöne.“ „Freu dich doch auch mal daran!“
Das hilft ihnen leider auch nicht. Neidisch sehen Sie auf Andere, die sich freuen. Ach, es ist vielleicht nicht mal ein starkes Gefühl der Sehnsucht – es ist nur eine andere Welt, in der Sie sich gerade befinden. Wo es lebt, das ist „seiner Zeit“, aber nicht jetzt; … das ist „bei denen“, aber nicht bei mir.
Wie weit reicht es denn, wenn Gott besungen wird: „Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen“? –
Das wurde nicht als eine persönliche Erfahrung so gesungen. Das wurde einfach mitgesungen, weil die Gemeinde so sang. Das musste nicht jeder so erlebt haben; man vertraute darauf, dass „es“ stimmte. Der Psalm wurde vorgesungen.
Der Psalm beginnt: „Gott, man lobt dich in der Stille.“ Bei manchen weiß man gar nicht, wie sie doch Gott danken und loben. Ohne groß Aufhebens davon zu machen.
In dem Psalm heißt es: „Gott, man lobt dich zu Zion.“ Das heißt doch: Man schaut – still – aus den Niederungen heraus; aus dem Bedrückenden reckt man sich hoch, schielt und seufzt vielleicht zu Gott hinauf. Und man hört, was gesungen wird. Lässt es sich gefallen, dass da gesungen wird. Tut sich das an, was da gesungen wird.
Und weiß, dass einen etwas drückt. Oftmals sind es nicht nur Missetaten, die drücken: nicht nur missliche Taten, nicht nur vermisste Taten …
Da wird Gott gedankt, dass er doch noch festen Grund unter die Füße gibt. Gott ist es, der den Mächten, die in einen chaotischen Strudel runterziehen, Einhalt gebietet.
Er steht für Gerechtigkeit. Der tägliche Aufgang der Sonne und des Mondes sind dafür Zeichen.
Und im Oktober kommt zusammen: Zeit zu erinnern, was geerntet wurde. Und wahrzunehmen, vielleicht sogar auf der Haut zu spüren die Wohltat des Regens: Es regnet für wenige Tage. Das ist der – jedenfalls für alle wärmeren Regionen wie Palästina – lebenswichtige Regen, der sogenannte „Frühregen“. Er lockert den Boden, der durch alles Schwere, durch Hitze und Arbeit fest geworden ist.
Er ermöglicht so die Aussaat. (Die braucht dann noch den „Winterregen“ für den Wasserhaushalt.) Gott hat die Erde ausgegrenzt vom Chaosmeer. Er kanalisiert das Wasser so, dass Leben möglich wird.
Ja, diese Beter wissen, wie gefährdet es ist leben zu können. Und dass die Lebendigkeit aufgelockerten Boden findet und getränkt wird vom aufsteigenden Wasser.
Umso mehr wird Gott geehrt und besungen, dass er das ermöglicht:
„… die Aufgänge des Morgens und des Abends machst du jubeln.“


Reinhard Kähler