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Gedanken zum Monatsspruch

Gott ließ seinen Propheten sagen:
„… Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben.“

Buch des Propheten Ezechiel 11, 19

Es war vor einer Generation, vor mehr als zwanzig Jahren. Da fühlten sich Maria und ihre Familie ganz heimisch in dem Land, in dem sie wohnten. Andere wie Sonja und ihre Familie fühlten sich als Außenseiter: Nicht, dass sie keine Gemeinschaft gehabt hätten; aber mit ihrer religiösen Auffassung vom Leben wurden sie immer wieder angefragt; da wurden sie mürbe.

Sie fühlten sich zerrissen, nachdem sie vor Jahrzehnten auch als Familie auseinandergerissen wurden. Sie hofften: „Gott bringe uns wieder mit unserem alten Heimatland zusammen; da ist auch unsere Religion heimisch; da werden wir frei sein.“

Eines Tages ließ Gott seinen Propheten sagen: Na denn - die zerstreut waren, sollen wieder zusammen kommen, wenn sie es wünschen. So verstanden sie das.

Und es wendete sich alles zum Guten. So schien es ihnen: Straßen wurden gebaut, Sonja und ihre Verwandtschaft konnten wieder zusammen kommen, sie waren wieder als Volk vereint, fühlten sich nicht mehr wie Bestrafte verbannt, sondern in ihrer neuen Gesellschaft mit Rechten ausgestattet.

Doch Gott sagte nicht, „und siehe, es war sehr gut.“

Gemessen daran, wie er Menschen Recht verschaffen möchte, und gemessen daran, wie er möchte, dass Menschen miteinander umgehen, war es mit jener Wende noch nicht alles gut.

Nicht, dass ein Haus nach zwanzig Jahren immer noch nicht renoviert ist; nicht, dass einige sich immer noch keine weite Reise leisten können …, war der Punkt. Gott setzte tiefer an: Welcher Geist herrscht in dieser Gesellschaft?

Wenn sie in die neue alte Gesellschaft kommen, sollen sie durchaus etwas neu aufrollen (revolutionieren). In dieser Gesellschaft herrscht das Volk (Demokratie), und wer kann und will, ist frei für Handel und Wandel. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Im Inneren der Gesellschaft läuft viel darüber, was man hat – was man für ein Aussehen hat, was man hermacht und vor allem was man besitzt; ja, du musst viel Geld haben, damit du anerkannt und respektiert wirst, sagt eine Leitfigur. –

Das ist mir ein Greuel, sagt Gott. Entfernt diese Götzen!

Gott weiß, dass das nicht leicht ist. Gott weiß, dass sich das nicht ändert nur, weil sein Prophet das ansagt. Gott weiß um die herrschende Meinung: Man müsse den Geldbewegern nur ihre Freiheit lassen oder vielleicht mal ihr Geld wieder ins Fließen bringen, aber nicht zu viel Geld für soziale Hilfsleistungen abzweigen. Die herrschende Meinung wählte das politisch nicht anders, selbst dann nicht, als eine Krise zeigte, was diese Götzendienerei anrichtet: Die an Geld reich werden, vergessen ihre Verantwortung vor dem Schöpfer, diesen Reichtum mit den Bedürftigen teilen zu lassen. Gott weiß, dass das politisch grundlegend anders gewollt und gewählt werden müsste und nicht einfach durch eine oberflächliche Operation änderbar ist. Die heimliche oder unheimliche Sehnsucht nach Reichtum (gegenüber anderen) und wirtschaftlicher Stärke (gegen andere) ist so stark, dass sie den Markt nur soweit und solange sozial abfedert, wie es dafür reicht.

Gott hat eine andere Vision:

Ich will ihnen ein anderes Herz geben – nicht eines, das zerrissen ist zwischen dem Streben und Wirtschaften für sich und dem schlechten Gewissen wegen der Verarmung auf der anderen Seite, jenseits des eigenen Grenzzauns.

Ich will ihnen einen neuen Geist geben - einen Geist, der sie anders in Atem hält: nicht die Geister der Werbung, aber der Mitmenschlichkeit. Das ist eine Frage des inneren Antriebs und Wollens.

Deswegen will ich das Stein gewordene Herz entfernen – das im Konkurrenzkampf hart gewordene, das aus Angst zu kurz zu kommen hart gewordene, das hart wurde, um sich erfolgreich durchzusetzen, das sich abschottet und eine Mauer um sich baut, das will ich einreißen, diese Mauer um die Herzen will ich in dieser Gesellschaft zu Fall bringen, und will sie aus ihrem persönlichen und gesellschaftlichen Leib entfernen. 

… und will ihnen ein Herz geben, das mitempfindet, das im sozialen Körper pulsiert, das mitfühlt, aber auch seinen Willen über Argumente und Einsichten in Zusammenhänge bildet.

Die das annehmen, die werden Recht aufrichten und sozial leben, wie Gott es sich wünscht. Die aber weiter jenen Götzen nachlaufen, denen will Gott ihr Tun auf den Kopf kommen lassen (so heißt es zwei Verse weiter).

Reinhard Kähler
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