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Gedanken zum Monatsspruch

Jesus sagte: „Niemand hat mehr Liebe, als dass er sein Leben gäbe für seine Freunde.“
(Johannesevangelium 15, 13)

Dieses Wort von Jesus wurde schon gebraucht, um Soldaten die Hemmung zu nehmen, ihr Leben in einem Krieg für ihr Vaterland einzusetzen. Ich kenne niemanden, der das heute noch so sagen würde; nicht mal die überzeugtesten Verfechter eines Militäreinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan würden wohl sagen, die Soldaten seien dort von Liebe für ihre Freunde bewegt.

Setzt dieses Wort von Jesus aber nicht einen Maßstab, dass wir uns zivil total mit unserem Leben einsetzen sollten? Nennt es einen in unserem Leben unerreichten Maßstab, weil wir ja keine Fanatiker sind? Oder bleibt vielleicht doch der Eindruck zurück: wenn man richtig liebt, sollte man sich für den Anderen opfern?

Ja, Liebe ist nicht nur das berauschende Gefühl der Hingabe, Liebe ist manchmal auch die Energie, sich für eine Freundin oder einen Angehörigen total ins Zeug zu legen. Man kann nur ganz oder gar nicht lieben, jedenfalls nicht in kalkulierten Portionen ... Ja ja, das wussten wir schon.

Heißt das: Wer richtig – mit Haut und Haaren – liebt, gibt alles von sich, gibt sich derart dran, dass er nichts für sich behält und dass er sich versagt darauf zu achten, was er für sich braucht oder wozu er für sich selbst Lust hätte?

Stop!

Sagt das Johannesevangelium hier nicht etwas, was allein auf Jesus zutrifft und was seinen Tod deuten soll? – Ich denke: ja. – Dann höre ich die Deutung: Der Tod von Jesus war die Folge zerstörerischer Dynamiken zwischen Menschen; er soll aber nicht nur noch einmal zeigen, wie grausam lebensverachtend Menschen handeln können - Jesus selbst begab sich auf diesen Lebensweg, und zwar aus Überzeugung von Gottes Liebe zu den Menschen, die seine Freunde waren.

Wenn das etwas anderes als wieder ein sinnloses Opfer sein soll, dann nur, wenn es nicht als ethische Höchstleistung gemeint ist. Ich verstehe es so: Wenn es Sinn macht, wie Jesus sein Leben einsetzte, dann allein deshalb, weil Gott etwas aus dieser Hingabe von Jesus macht.

Das ist nicht einfach aus dieser Geschichte von Jesus herauszulesen, schon gar nicht mit Händen zu greifen, das ist nur zu glauben: Gott hat die sinnlose Vernichtung des Lebens von Jesus verwandelt; Gott hat es gemacht, dass stimmt: in der Liebe zu Menschen, in der Jesus gehandelt hat, kommt Gottes Liebe zum Zuge („wie mich mein Vater geliebt hat, so liebe ich euch“, wird von Jesus Vers 9 gesagt).

Gottes Liebe zu Jesus ist von einzigartiger Qualität. Darum: Eine weiter reichende Liebe hat niemand, als der eine – nämlich Gottes Sohn -, der sein Leben für seine Freunde hingibt.

Ich verstehe also die Passage in der Rede von Jesus so, dass er sich selbst erklärt: „… indem ich mein Leben für meine Freunde hingebe, kommt Gottes Liebe zum Zuge“. Dann ist das eine Botschaft, mit der der Sinn der Hingabe des Lebens von Jesus erschlossen wird; es ist aber kein Appell: „tut es auch so“.

Die Konsequenz heißt dann: „Niemand muss eine solch große Liebe haben.“ Niemand muss den Held oder die Heldin geben, dass sie den großen Tod für die geliebten Freunde stirbt. Hingabe ohne Angst sich zu verlieren: ja. Aber in der liebevollen Hingabe an die Geliebten kommen wir doch auch wieder zu uns, und spüren das Leben in uns umso stärker. Und in der hingebungsvollen Fürsorge für Angehörige oder Freunde kommt es doch auch darauf an, wieder auf sich und die eigenen Lebenskräfte zu achten. Verzehrt nicht euer Leben für die Geliebten!

So höre ich Jesus sagen:

„Stärkt euch damit, dass ihr schon von mir geliebt seid!
Und liebt euch von daher untereinander.“

Reinhard Kähler