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Gedanken zum Monatsspruch

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe;
denn von ihm kommt meine Hoffnung.

Psalm 62,6

Charlotte rannte die Treppe hinunter. Sie wollte ihre 3-jährige Urenkelin noch schnell von der Kita abholen, bevor sie in der Gemeinde den Tee für die Abendveranstaltung kochen würde. Da geschah es! Ihr Gedankenfluss wurde plötzlich abgerissen. Sie fand sich auf dem Fußboden wieder. Ein bis zwei Schrecksekunden dauerte es, bis sie die Situation im Kopf registrierte. Aufstehen? – Es ging. Den Beinen war fast nichts passiert – aber die rechte Hand begann stark zu schmerzen.

„Naja, so schlimm wird’s schon nicht sein“, dachte Charlotte.

Sie musste zur Kita und Tina abholen, wie sie es versprochen hatte. Sowie sie aber den rechten Arm bewegte, durchzuckte sie ein brennender Schmerz. Trotzdem brachte sie das kleine Mädchen nach Hause.

„Du musst zum Arzt gehen“, ermahnte sie Silvia, die Enkeltochter.

„Das geht nicht. Ich muss in der Gemeinde den Tee kochen.“

„Ich rufe dort an. Du gehst jetzt zum Arzt!“ bestimmte Silvia. „Sowie Jens zu Hause ist und auf Tina aufpassen kann, hole ich dich dort ab“.

Das Handgelenk ist gebrochen und musste eingegipst werden. Die Familie kümmerte sich rührend um Charlotte und kaufte alles Notwendige ein.

Nun liegt sie auf dem Sofa. – Stille umgibt sie – ungewohnt, sogar etwas unheimlich. Sofort beginnen die Gedanken wieder zu rotieren. Wie würde sie die mit Freude übernommenen Aufgaben erfüllen können? Aber sie wusste, mit dem Gipsarm konnte sie kaum etwas bewirken. Es war, als ob jemand ein Stoppschild vor ihr aufgebaut hätte.

In ihrem Zimmer breitet sich die Stille weiter aus. Charlotte wehrt sich dagegen. Sie will das Radio einschalten, mit dem Gipsarm gelingt es nicht. Ich muss noch viel trainieren, um den Haushalt mit der linken Hand zu bewältigen, denkt sie und versucht die Stille zu akzeptieren. Aber die Gedanken bohren weiter und lassen sich nicht so einfach vertreiben. Nur ganz allmählich beginnt sich der Druck in ihr zu lösen. Im Moment kann sie ja sowieso nichts entscheiden. - Vielleicht ist der gebrochene Arm eine Warnung? Vielleicht muss ich mein Leben anders organisieren und auch Zeit für die Stille einplanen. Und langsam wird die Hoffnung in ihr zur Gewissheit, dass sich eine Lösung finden wird. Sie fühlt sich nicht mehr allein mit ihren Wünschen, Sorgen und Zweifeln.

Ob ich dieses Gefühl „Gott“ nennen kann? Ich glaube, denkt Charlotte.

Regina Burow