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Gedanken zum Monatsspruch

Kann ein Mensch gerecht sein vor Gott, ein Mann vor seinem Schöpfer rein?

Hiob 4,17

„Ich hab da mal eine Frage...“ – oder anders verpackt: „Was ich schon immer mal wissen wollte, wie ist das eigentlich mit...“ Sie kennen sicherlich solche Gesprächssituationen. Meist steckt hinter einer solchen Einleitung ein richtiger Brocken. Beiläufig soll es klingen – dazu streuen wir gern Wörter wie „mal“ und „eigentlich“ ein – dabei geht es aber ums Ganze.

Kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Gute Frage! Was soll das schon heißen: gerecht sein... Ich kann es doch sowieso keinem Recht machen! Und wenn, dann ist ja schon schwer genug, es Anderen recht zu machen. Wie sollte ich es dann Gott recht machen können? Wer kommt überhaupt auf so eine Idee, zu fragen, wie man es Gott recht machen kann. Wird da wirklich nach einer Antwort gesucht? – Oder ist es doch nur eine dieser rhetorischen Fragen, eine, die nur um des Fragens willen gestellt wird?

Es ist Elifa, der die Frage stellt. Er hat erlebt, wie sein Freund Hiob all seinen Reichtum und seine Familie verloren hat und zuletzt selbst von Krankheit geschlagen wurde, mit einem „bösartigen Geschwür von der Sohle bis zum Scheitel“ (Hiob 1,7). Elifa denkt sich: Hiob wird von Gott bestraft, weil er sich vor Gott schuldig gemacht. Ein uns fremdes Denken, es klingt heute geradezu absurd. Aber für Elifa war das ein Thema. Er meinte, es gäbe einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Handeln Hiobs und seinem Ergehen.  (Fußnote 1)

Und Hiob? Er lässt sich nicht drauf ein, was ihm Elifa sagt. Trotz seiner ausweglosen Situation, trotz Krankheit und Verlust von allem, was sein Leben ausgemacht hat, hält Hiob an Gott fest, bricht sein Glaube nie ganz ab. Eine große Leistung. Dahinter steckt ein tief verwurzeltes Gottvertrauen. Ich bewundere Hiob, seinen unerschütterlichen Glauben an Gott. Ein leidender Gerechter. Er gewinnt das Leben zurück, das er verloren hatte, er kann neu beginnen.

Wenn wir am Ende dieses Monats den Reformationstag feiern, dann erinnern wir an einen Wendepunkt in der Geschichte der Kirche. Er hat Christen wieder näher zu Gott gebracht, er hat die Kirche umgestaltet und mit neuem Leben erfüllt. Martin Luther ging es darum, zu zeigen, dass Menschen nicht aus sich selbst heraus leben können, sondern nur aus Gott. Eine begnadete Einsicht.

Doch wie lebt es sich aus Gott? Wie lebe ich mit Gott? Vielleicht ist das eher eine Frage, die sich mir stellt. Das ist keine Frage, die mit „Ja“ oder „Nein“ zu
beantworten wäre, oder gar rhetorisch ist, sondern eine Frage, die mich richtig zum Nachdenken bringen kann. Wie geht das eigentlich, Gott mitzudenken, wenn es um mein Leben geht? Was ändert sich da?

Vielleicht sind das Fragen, die uns heute näher sind und mit denen wir heute mehr anfangen können. In jedem Fall zeigen sie – wie übrigens auch die Frage von Elifa –, dass „an Gott glauben“, oder: bewusst mit Gott leben, nicht einfach etwas Statisches ist, sondern zum (Hinter-)Fragen herausfordert. Auch wenn jede Zeit so ihre eigenen Fragen mit sich bringt.

Annegreth Schilling

1  „Bedenk doch! Wer geht ohne Schuld zugrunde? Wo werden Redliche im Stich gelassen? Wohin ich schaue: Wer Unrecht pflügt, wer Unheil sät, der erntet es auch.“ (Hiob 4,7f.)