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Gedanken zum Monatsspruch

Gott ist gut,
Zuflucht am Tag der Bedrängnis,
er kennt sie,
die Schutz suchen bei ihm.

Nahum 1, 7

So sangen einst Männer und Frauen, die auf der Flucht waren.

Wenn ich „Flüchtlinge“ höre, fällt mir gleich MITTELMEER ein, und FESTUNG EUROPA.

Ich kann mich von diesen Bildern nicht abschotten: Da fliehen Menschen, weil es kein Trinkwasser mehr gibt; da fliehen Menschen, weil nach drei Jahren Dürre der letzte Reis aufgebraucht ist; da fliehen Menschen hin zu den Ländern, aus denen ihnen ihr Ackerland weggekauft wurde; da fliehen Menschen, weil Kriegsfürsten wieder Waffen bekommen haben und rauben, morden, vergewaltigen. Eine Lawine von Flüchtlingen kommt.

Und ich weiß: Die Schotten dicht machen, ist das eine; die Ursachen – alle menschengemacht – ändern, ist das andere. Ich bin zu klein, das zu ändern.

Aber Gott sagt: Wehe, ihr ändert nicht, was Menschen in die Flucht treibt aus ihrer angestammten Heimat!

Wer’s hören will, der kann da, glaube ich, Gott ziemlich zornig hören.

Da muss dann auch mal zwischendurch wieder gesagt und gesungen werden: Gott ist gut.

Und das brauchen alle - alle, die auf ihren eigenen Beinen losgehen, alle Erwachsenen, die nicht im Nest hocken geblieben sind. Wenn die Angst bedrängt, die Arbeit nicht mehr zu schaffen; wenn die Angst bedrängt, den Haushalt nicht mehr selbst zu schaffen; wenn bedrängend wird, keine Arbeitsstelle zu finden; wenn der Kummer die Seele überschwemmt …

Dann ist doch die Seele, das Leben, bedroht.

Dann singen sie wieder:

Gott ist gut,
Zuflucht am Tag der Bedrängnis,
er kennt sie,
die Schutz suchen bei ihm.

Zuflucht – nicht um dauerhaft auszuwandern; nicht um sich dauerhaft in ein Nest zurückzuziehen. Aber Zuflucht für eine Zeit.

Sich für eine Zeit zurückziehen – da hat wohl jede und jeder etwas für sich gefunden. Im Glauben haben wir darüber hinaus das Zutrauen: Wir können uns in Gott bergen. Das geht tatsächlich nur in dem Zutrauen zu Gott, dass er so gut ist.

Auch wenn manche ganz böse Erfahrungen gemacht haben, wo sie so sehr erschüttert und in ihrer Integrität und in ihrer seelischen Substanz verletzt wurden, dass sie keinen Zutritt zu diesem Urvertrauen mehr wagen, so brauchen wir doch gerade diese Ahnung: dass wir – über alle bösen Erfahrungen hinaus – zu Gott fliehen können.

Wohl denen, die lernen da einzustimmen:

Ja, Gott, du bist unsere Zuflucht von Generation zu Generation (Psalm 90, 1).

Reinhard Kähler