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Gedanken zum Monatsspruch

Liebe Mitchristen,

im Urlaub saßen wir bei einem guten Mittagessen. Wir waren nicht allein. Am Tisch unterhielten sich noch andere über den Urlaub. Ein Mann sagte zu seinem Gesprächspartner: ‚Na, das haben wir uns auch verdient!‘

Diese Wendung hat mich stutzig gemacht. Passt in dieses Bild vom Menschen noch hinein, was uns der Apostel Paulus als Monatsspruch für den Juni mit auf den Weg gibt? Er erinnert uns: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1. Kor. 15 Vers 10)

Paulus hätte die, die meinen, sie können sich alles verdienen, gefragt von welchen Voraussetzungen sie leben. Da wäre aufgefallen, dass wir, wird es wichtig, von dem leben, was wir als Menschen nicht in der Hand haben.

Wir sind Teil einer Schöpfung, die es auch ohne uns gäbe; nur wir könnten nicht ohne sie. Das gilt auch für das, was uns Menschen von allen anderen Geschöpfen unterscheidet, nämlich von unserer Sprache. Wer verstanden werden möchte, der denkt sich die Worte nicht aus. Er spricht (nach), was er vorher gehört hat. So lebt der Mensch nicht nur in einer Natur und in einer Kultur, sondern zunächst lebt er von ihnen. Der Mensch ist nicht das aktive Lebewesen. So braucht ihn die heutige Zeit, aber dazu macht er sich erst. Zunächst ist – und bleibt – er das passive Lebewesen. Das fängt schon an unserem zeitlichen Beginn an. Keiner von uns kam zur Welt, weil er das wollte. Wir werden geboren aber gebären uns nicht selbst. Wir sagen, was wir hörten. Und erfinden nicht, was wir sagen. Wir werden geliebt; und wir wissen, dass wir die Sache mit der Liebe nicht in der Hand haben. Gelingende Partnerschaft ist immer ein Geschenk. Natürlich kann man für Geschenke auch etwas tun; aber man kann sie sich nicht selbst machen. Auch hier bleibt der Mensch das passive Lebewe-sen. Und schließlich: das Wort, das uns hilft, können wir uns auch nicht selbst sagen. Ob uns jemand vergibt, haben wir nicht in der Hand – ohne Vergebung aber hätten wir wohl gar nichts in der Hand. Auf diese unsere Lage weist uns der Apostel Paulus hin mit seiner Erinnerung: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.

Freilich: das passt nicht in unser Bild, das wir allzu oft von uns und unserer Welt haben. Aber dann müssen wir uns wohl darauf einstellen, dass jedes Bild sich rechtfertigen muss; durch Gründe. Und für die Gnade sprechen viele gute Gründe. Es sind genau die, die an der Passivität des Menschen orientiert sind und sie nicht vorschnell – und zu unserem Schaden – überspringen. In dieser Passivität lasse ich gelten, dass das Leben selbst ein Geschenk ist.
Wer meint, er müsse sich dieses Geschenk verdienen, verbirgt sich, dass er von Grundlagen lebt, die er nicht legte und überfordert sich selbst. Die Erinnerung an die Gnade macht von dieser Selbstüberforderung frei; frei zu einem Leben, dass nun die Gnade nicht verschweigt und all das Gute, das uns in die Wiege gelegt worden ist und uns am Rand unseres Lebensweges begegnet.

Freilich, aus der Gnade, aus unseren Gaben (Begabungen) – aus all dem Guten, müssen wir nun auch etwas machen; aber das Gute selbst, das ist schon da.

Hans-Georg FurianIch wünsche Ihnen, dass auch Sie es in diesem Sommer entdecken und dann einstimmen können in die Worte des Apostels: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Amen.

Mit herzlichen Segenswünschen aus Ihrem Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree grüßt Sie

Ihr Hans-Georg Furian
(Superintendent)