logo Headline

Startbutton Kontaktbutton

Gemeindelebenbutton
Gottesdienstplanbutton
Aktuellesbutton
Veranstaltungsbutton
Kirchenmusikbutton
Christenlehre
Archivbutton
Linksbutton

Gedanken zum Monatsspruch

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, fragt Gott,
und nicht auch ein Gott, der ferne ist?

(Jeremia 23, 23)

In unserer Gemeinde treffe ich welche, die sagen: Ich bin am liebsten in der Natur; da ist für mich Gott – im Garten, oder in einem schönen Wald, das ist wie ein Dom, in dem ich andächtig werde. Andere sagen: Wenn wir unterwegs sind, dann gehen wir in große alte Kirchen; das finden wir schön, es gibt doch etwas Heiliges in unserem Leben. Oder: Ich habe schon als Kind den Psalm gelernt „Der HERR ist mein Hirte“; das begleitet mich mein ganzes Leben. Oder: Ich glaube an Gott; das geht so als Grundgefühl für mich mit – ich fühle mich angesehen und geborgen.

Ich habe den Eindruck: Dieser Glaube ist so gut verankert, dass er nicht alle Nase lang wieder neu bedacht und besprochen sein will.Wenn dann in einem Gottesdienst oder an anderer Stelle etwas anderes von Gott gesagt wird, ist das irritierend. Geht es Ihnen vielleicht auch so, wenn Sie den Monatsspruch für September lesen?

Manchmal ist Gott uns nah, manchmal fern. Das liegt nicht nur an unserer Stimmung oder an unseren Gebeten. Manchmal fühle ich mich ganz gut umgeben von Gott, eingehüllt wie in einen angenehm warmen Mantel. Manchmal mag ich mich selber nicht gut leiden; aber ich weiß, Gott nimmt mich trotzdem in seine Arme – er ist mir näher, als ich mir selber bin.

Dann wieder frage ich mich bei einem schlimmen Unfall: wo war Gott? Oder wenn mich erschüttert, wie Menschen Andere umbringen, frage ich mich: wo ist Gott, dass er das so furchtbar laufen lässt? Warum ist er so weit weg? Vielleicht kennen Sie auch so unterschiedliche Erfahrungen zu unterschiedlichen Zeiten mit Gott. Dass Sie mal zu Gott sagen: „Du, Gott, umgibst mich von allen Seiten; und wo ich auch hinkomme, da bist du schon, Gott.“ Und ein ander Mal: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wenn Sie noch einmal zurückschauen: Vielleicht haben Sie gespürt, wie sehr sich Ihre Eltern wünschen, „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten“. Und Sie haben gebetet „Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein.“ Und ohne die Worte zu verstehen, kam doch das Gefühl rüber: ich werde mit der Bettdecke von einer ganz großen guten Macht geborgen.

Erst als Erwachsener wurde deutlicher: Ich bete zu Gott im Himmel, aber hier auf Erden können Menschen, die mir lieb sind, auch beschädigt werden – steckt Gott wohl doch nicht überall dahinter, und nicht überall drin? So ist mir Gott fern oder fremd. Ein ander Mal tritt mir Gott gegenüber und will, dass ich etwas ändere, oder dass ich mich ändere. Er ruft heraus. Der Gott, der sich immer freundlich zuwandte, der erscheint nun auch mal unzufrieden mit Unrechtszuständen oder mit Trägheit.

Mir wurde klar: Gott ist nicht so mit uns verbandelt, dass er uns immer schützt, wie wir es auch anstellen. Gott stellt sich uns auch mal in den Weg, stellt in Frage. Gott verbittet sich, dass wir ihn vereinnahmen.

Wenn wir uns von diesem Gott nicht abwenden, dann werden wir erleben: Gott stößt uns niemals ab. Menschen, die nur an ihr Wohlergehen denken, konfrontiert er … (wie in der Geschichte vom reichen Lazarus). Und – wie z.B. die Geschichte vom Vater mit den zwei Söhnen sagt: Den einen, der sich benachteiligt fühlt, bittet er, sich doch noch einmal zu besinnen, und nimmt ihn nicht nur in die Arme; dem anderen, der nach ihm ruft, geht er entgegen.

Reinhard Kähler