Logo Headline

Startbutton Kontaktbutton

Gemeindelebenbutton
Gottesdienstplanbutton
Aktuellesbutton
Veranstaltungsbutton
Kirchenmusikbutton
Christenlehre
Archivbutton
Linksbutton
Archiv / Gedanken zum Gottesdienst
 
Wie es mit dem Gottesdienst geht

Pfarrer Dr. Reinhard Kähler

Gehören Sie zu denen, die auch am Sonntag schon um 7 Uhr auf den Beinen sind und sich freuen, wenn Sie dann zum Gottesdienst gehen können?

Oder kommen Sie in Zeitnot, wenn Sie Sonntagvormittag zum Gottesdienst gehen wollen und müssen das Frühstück fluchtartig verlassen? Gehen Sie alleine in den Gottesdienst? oder nicht ohne Ihren Partner oder mit Ihren Kindern?

Ist es für Sie normal, sonntags in den Gottesdienst zu gehen? Oder brauchen Sie einen besonderen Anlass oder einen besonderen Grund? Möchten Sie im Gottesdienst begrüßt werden? Oder möchten Sie im Gottesdienst ganz für sich sein können? Was muss passieren, damit es sich für Sie gelohnt hat, zum Gottesdienst zu gehen?

- Möchten Sie nachdenklich werden? Von interessanten Gedanken angeregt werden?
- Möchten Sie in Gemeinschaft beten und singen?
- Möchten Sie mal zur Ruhe finden und einen Moment für sich abhängen können?
- Möchten Sie sich des tieferen Grundes Ihres Daseins vergewissern und gestärkt werden?


Vielleicht fragen Sie sich das manchmal. Kein Gottesdienst kann allen alles bieten. Aber Sie können je etwas für sich mitnehmen. Und wenn Sie sich etwas beim Gottesdienst holen, dann bleiben Sie vielleicht nicht nur bei den Punkten hängen, die Sie gestört haben.

Womit beginnt der Gottesdienst?

- Mit einem meditativen Weg zur Kirche?
- Mit dem Läuten der Glocken?
- Wenn Sie den Gottesdienstraum betreten?
- Mit den Klängen der Orgel?
- Oder?
Alles möglich. Hinzu kommt:

Ein Gottesdienst lebt von Gott. Dass Gott uns dient. So gesehen beginnt der Gottesdienst damit, dass wir Gott kommen lassen: „Im Namen Gottes …“

Jemand repräsentiert Gott gegenüber den versammelten Menschen.
„Im Namen Gottes …“ Damit Gott zu ihnen kommt. Gott kommen lassen, weil Menschen für ihr Leben, ihre Seele mehr erwarten, als was sie sich selber geben können. Darum ist es auch wichtig, dass wir Gott Platz einräumen. Und nicht nur uns gegenseitig begrüßen, wie zu einer sonstigen Versammlung. Zeit und Raum für Gott lassen. Im Gottesdienst werden wir bereit, unter den Einfluss Gottes zu geraten. „Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Das kann auch an den Anfang Gottes mit unserem Leben in der Taufe erinnern.) Gottesdienst: >wir haben hier etwas verloren, wir suchen hier etwas – Gott sucht hier uns, Gott will nicht dass irgendjemand verloren gehe<. Darum die Widmung der Aktion >Gottesdienst<:
„Unsere Hilfe steht im Namen Gottes, der …“

Nach Eröffnung mit Selbstvorstellung (ich heiße …, meine Name ist …) – hier: „Im Namen Gottes, …“ - und der Widmung folgt die Begrüßung, der Gruß: „Gott sei mit euch“. Die Gemeinde antwortet: „und mit deinem Geist.“ - Die Akteure der Aktion >Gottesdienst< wünschen sich wechselseitig, Gott sei mit ihnen.

Eingangslieder dienen dazu, weiter in den Gottesdienst einzuziehen. Dazu wird in der Regel auch ein biblisches Lied, ein Psalm, aufgenommen.(1) Hier wird mit vorgeformter Sprache Gott angerufen oder Gott besungen. In diesem Eingangsteil kann durchaus auch ein Moment der Stille sein: Zeit, dass unsere Seele nachkommt. Dass wir so gut wie möglich ankommen und vor Gott da sind so, wie es uns gerade geht, was uns gerade innerlich beschäftigt.

Es gibt viele Gründe, Gott um sein Erbarmen anzurufen:
- Weil wir inmitten der harten Wirklichkeit von kräftezehrender Krankheit, von schwindelerregenden Sorgen Gott um Hilfe anflehen;
- weil wir verzweifelt sind, wie es mit den vielen Menschen weiter gehen soll, die in großen Nöten sind, und Gott um die größere Kraft des Rettens angehen;
- weil uns die kalte Geschäftigkeit und so viel berechnendes Verhalten fröstelt und wir von Gott wünschen, dass Erbarmen einziehe;
- weil wir auch wissen, was wir selbst schuldig blieben und auch dafür Gott um sein Erbarmen bitten.

Je nach dem, bekommt es einen anderen Klang, Gott um sein Erbarmen anzurufen. Im Gottesdienst können wir Gott in verschiedener Form um sein Erbarmen anrufen. Oft wird das mit den griechischen Worten gemacht „Kyrie eleison“, das heißt: „Herr, erbarme dich“. Im „Evangelischen Gesangbuch“ sind 14 Möglichkeiten aufgenommen, den Ruf nach Gottes Erbarmen zu singen (Evangelisches Gesangbuch 178). Weil es so viele Gründe gibt, Gott um sein Erbarmen anzurufen, wird es wiederholt gesungen.

Gott um sein Erbarmen anzurufen, verhallt nicht im Ungewissen. Es findet Echo in einer Zusage von Gott. Darauf wird Gott gepriesen, wird Gott geehrt, für seine Größe, die nicht in unseren Verhältnissen untergeht, sondern drüber steht („im Himmel“, „in der Höhe“), und gerade so für uns in unseren Verhältnissen hilfreich wird. Klassischer Weise wird da das Loblied aufgenommen, was die Engel den Hirten sangen, als sie verkündeten, dass Gott ihnen in dem Kind Jesus geboren wurde (Lukas 2,14): „Ehre sei Gott in der Höhe! Friede auf Erden …“ (Evangelisches Gesangbuch 26). In das Evangelische Gesangbuch wurden dafür noch 5 weitere Formen aufgenommen (179 + 180).

In all dem werden uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Gottesdienstes verschiedene Schritte angeboten, in Kontakt mit Gott zu kommen. Dazu gehört, dass wir mit Gesängen und Gebeten und Momenten der Selbstbesinnung wirklich anwesend werden. Denn so kann unsere Seele aufnehmen, welcher Funke möglicherweise gerade von Gottes Geist gezündet wird.

Gottes Botschaft

Gottes Botschaft wird vorgetragen:
Dazu wird ein Bibeltext gelesen. Es können auch bis zu 4 Texte gelesen werden: ein alttestamentlicher Text, ein Text aus einem Brief des Neuen Testaments (2), ein Text aus den Evangelien und ein speziell für die Predigt vorgeschlagener Text aus der Bibel. Und die mündlich vorgetragene Ansprache (die Predigt) nimmt eine Anregung aus einem biblischen Text für eine gegenwärtig aktuelle Frage auf.

Insgesamt wird hier eingebracht, was Gott einmal versprochen hat und was für Erfahrungen mit ihm gemacht wurden. Damit werden Anstöße gegeben, an dem Bild Gottes, das wir haben, weiter zu malen, und es wird nachgezeichnet, auf was wir Gott im Gebet ansprechen können. In der Predigt wird zudem erörtert, welche Konsequenzen das für unsere verschiedenen Situationen haben könnte.

In diesen Teil des Gottesdienstes kann eingeschoben werden, gemeinsam ein Bekenntnis zu dem Gott zu sprechen, der da verkündet wird. Das Bekenntnis kann auch gesungen werden (Evangelisches Gesangbuch 183 + 184). Gewöhnlich wird eine Formulierung des Bekenntnisses des christlichen Glaubens gesprochen, die sich über eine längere Zeit bis ins 6. Jahrhundert hin entwickelt hatte (Evangelisches Gesangbuch 804). Ein weiteres sehr altes Glaubensbekenntnis ist im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt: aus dem 4. Jahrhundert, das damals viele christliche Gemeinden für ihre Gottesdienste übernommen haben (805). Schon im Vergleich dieser vier Bekenntnisformulierungen ist ersichtlich: Da werden die Inhalte, in denen der christliche Glauben gespiegelt wird, mit verschiedenen Akzenten gebündelt.

Gottesdienst kann mit oder ohne Abendmahl gefeiert werden.

In jedem Fall endet der Gottesdienst mit Gottes Segen.

Ehe die Gemeinde an den „Tisch des Herrn“ tritt, zum Abendmahl, bzw. ehe sie sich zum Gehen wendet, wird um Spenden gebeten, die für einen jeweils bestimmten Zweck eingesammelt werden.

Was assoziieren Sie, wenn die Spenden zum Altar gebracht werden? – Ich denke, das ist ein Zeichen des Dankes an Gott – ein Dank, der Gott gewissermaßen unter die Nase gerieben wird.

Die Spende am Ausgang kann einfach heißen: Es sollte in diesem Gottesdienst noch ein zweiter guter Zweck bedient werden. Es kann vielleicht auch heißen: Ich gehe aus diesem Gottesdienst so, dass ich auch in dieser Form etwas abzugeben habe?

Es wird bekannt gegeben, wofür die Spenden gesammelt werden, und es wird veröffentlicht, wie viel Spenden im vorigen Gottesdienst gesammelt wurden. Damit werden die Leute, die da spenden, ernst genommen. Und wenn man schon mal gerade bei solchen Informationen ist, wird gleich noch angehängt, was der Gemeinde öffentlich im Gottesdienst mitgeteilt werden soll.

Die Feier des Abendmahls

Gottesdienst kann mit oder ohne Abendmahl gefeiert werden.

Zwei große Themen prägen die Feier des Abendmahls:
- der sinnenfällige Vollzug dessen, was die gute Botschaft Gottes mit der Geschichte von Jesus Christus ist
- Gott Dank zu sagen für alles, womit er uns zu leben ermöglicht
Ich gehe mal den Ablauf durch, wie ihn viele von Ihnen kennen:

a) Nach einer Hinführung oder Überleitung: Wir stimmen uns darauf ein, wofür wir von Herzen danken können: „Erhebet eure Herzen“ – Gemeinde: „wir erheben sie zum Herrn.“ Da steckt drin: „macht die Herzen auf“, „nehmt euch mit euren Herzen wichtig“, „hört auf euer Herz und fangt damit an (und nicht mit einem Gedanken)“, „öffnet euer Herz nach oben“ (also zu Gott hin), „haltet euer Herz zu Gott empor“. „Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott“ – Gemeinde: „Das ist würdig und recht.“

b) Es folgt, Gott Dank zu sagen für alles Mögliche, was uns von Herzen mit Leben erfüllt …

c) Das mündet in einen Lobgesang. Der wurde aus dem jüdischen Morgengebet übernommen. Er enthält zwei Elemente:
- „Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herre Zebaoth (3): voll sind Himmel und Erde seiner Herrlichkeit.“ (Evangelisches Gesangbuch 185.1): Das Leben ist nicht nur Mühe und Not, nicht nur trist und bedroht; vielmehr ist im Himmel und auf Erden Vieles wahrzunehmen, was schön ist, uns zum Leben bringt oder am Leben erhält. Daran können wir im Glauben sehen, dass es mehr als alles Werden und Vergehen gibt: Gottes Herrlichkeit, der der Wirklichkeit Glanzlichter gibt. Das haben wir nicht nur Menschen oder der Natur zu verdanken, sondern der „heiligen“ Wirklichkeit Gottes, das heißt: dass es mehr als alles Vorhandene gibt, nämlich Gott, der immer wieder dafür sorgt, dass Leben gut wird.
- „Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des
Herren …“ (Evangelisches Gesangbuch 185.1). „Hosianna“ kommt aus der hebräischen Sprache und nimmt einen Ruf jüdischer Gebete auf. Er ruft Gott herbei, er solle mit seiner rettenden Kraft kommen. In diesem sich wiederholenden Anrufen Gottes wird das heraushelfende Kommen Gottes geradezu gegenwärtig, so dass der Sinn sich hinüber gleitet zu „gegrüßt seist du, der du kommst“. Von daher konnte der Ruf „Hosianna!“ auch ganz zu einem Jubelruf werden. Diese Begrüßung wurde schon in Psalm 118 auch auf den, der im Namen Gottes kommt, übertragen: Vers 26. In diesem Sinne, erzählen die Evangelien, sei Jesus bei seinem Kommen begrüßt worden: Matthäus 21, 9. Natürlich kann Gott an dieser Stelle auch in anderer Form gelobt werden, vgl. nur Evangelisches Gesangbuch 185. 2-5.

d) Es wird erinnert, was Jesus mitgab, als er das letzte Mahl mit seinen zwölf Freunden und Mitarbeitern am Abend vor seiner Hinrichtung hielt. (4) In der Bibel wird dieses Geschehen an vier Stellen erzählt: Matthäus 26,20-30; Markus 14,18-25; Lukas 22,15-20; 1.Korintherbrief 11,23-26.
Danach hat es heilsame Bedeutung, wenn im Sinne Jesus Christus und das heißt in der Erwartung, dass da Gott mit seinem Geist handelt – Brot miteinander geteilt wird und aus einem Kelch getrunken wird. Gerade in diesem Ritual wird das Vermächtnis des gekreuzigten Jesus immer wieder gegenwärtig.
Darin enthalten ist:
- dein Hunger zu leben und dein Durst, geheilt zu werden, werden von Gott, der Quelle des Lebens, aktuell aufgenommen;
- wenn du dem Zusammenleben etwas schuldig bleibst – Gott hat die Initiative ergriffen, davon zu entlasten: da kannst du anbeißen;
- deine Leidenschaft für Gerechtigkeit mit Anderen und deine Hoffnung auf Versöhnung bekommen Nahrung.


e) Als stellten wir uns daraufhin in die Gemeinschaft der Freunde von Jesus mit hinein, wird dann gemeinsam gebetet: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …“ Das kann auch gesungen werden, siehe Evangelisches Gesangbuch 186-188.

f) Dann wird besungen, wie wir die Geschichte von Jesus Christus aufnehmen: Nämlich, in gewisser Weise hat Gott schon begonnen, dafür etwas zu tun, was wir von ihm erbitten: „… dein Reich komme, … vergib uns unsere Schuld, … erlöse uns von dem Bösen“.
Traditionell wird jedenfalls ein Aspekt von diesem zuvorkommenden Handeln Gottes besungen, wenn gesungen wird: „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt (5), erbarm dich unser.“ (Evangelisches Gesangbuch 190.2)(6). Entsprechende Lieder siehe Evangelisches Gesangbuch 190.1 – 4.
Oder es wird ein anderes passendes Lied gesungen, z.B.: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens T&uumlr dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein …“ (Evangelisches Gesangbuch 1,5) oder „Von Gott kommt mir ein Freudenschein, wenn du mich mit den Augen dein gar freundlich tust anblicken. Herr Jesu, … auf dein Wort komm ich geladen.“ (Evangelisches Gesangbuch 70,4) „Zieh ein, lass mich empfinden und schmecken deine Kraft, die uns von S&uumlnden Hilf und Errettung schafft…“ (Evangelisches Gesangbuch 133,2)

g) Dann kommt die Gemeinde zu dem Mahl, bei dem Jesus Christus der Gastgeber ist.
Ursprünglich gehörte zum Abendmahl die Verbindung mit einer normalen gemeinsamen Mahlzeit. Inzwischen kennen wir in den Gottesdiensten meistens die symbolische Handlung: in der nehmen wir zeichenhaft Anteil daran, woran Gott uns mit der Geschichte von Jesus Christus Anteil gibt. Die Gemeinde kommt zum Altar. Der Altar erinnert religionsgeschichtlich, an den Tisch, auf dem Gott geopfert wird, um ihn nachsichtig zu stimmen. Dieses Verständnis ist für Christen durch die Geschichte von Jesus Christus überholt. Denn man glaubt, dass Gott uns in dem Leben von Jesus Christus und seiner ganzen Hingabe uns zuvor kommt … So ist der Altar in Kirchen ein Zeichen, wie Gott sich mit uns zusammen setzt. Der Altar gehört zum Abendmahl; er erinnert, dass diese „Mahlzeit“ schmecken und sehen lässt, wie freundlich Gott zu uns ist (siehe Psalm 34,9a). Als Zeichen dafür, dass Gott etwas für uns getan hat, empfangen die, die kommen.
- Es wird Brot für sie gebrochen.
In Erinnerung an die Geschichte der Befreiung Israels aus der Sklaverei in Ägypten durch Gott wird manchmal ungesäuertes Brot gebraucht. Das kann auch als Fladen genommen werden, wie bei den Juden die Mazzen. Bekannt ist Ihnen sicher auch die Form, dass lediglich ein kleiner Taler ungesäuerten Brotes ausgeboten wird: Das ist zusätzlich eine Erinnerung an das Bild, dass Jesus Christus sein Leben für uns als „Lösegeld“ gegeben hat; dahinter steckt die Deutung: wir sind schon von unseren Lebensschulden abhängig geworden – wie in einer Schuldsklaverei –, aber durch den Lebenseinsatz von Jesus Christus wurden wir vom Zwang zur Selbstrechtfertigung „frei gekauft“.
- Sie trinken alle aus dem einen Kelch.
Getrunken wird von der Frucht der Rebe. Da kommen – wie beim Brot – Gottes Schöpfung und Gottes Segen (gedeihen und wachsen) zusammen mit menschlicher Arbeit. Zugleich ist gerade die Frucht des Weinstocks ein Symbol dafür, dass wir uns im Leben nicht nur durchzukämpfen brauchen, sondern auch genießen und uns freuen können. Im Zusammenhang mit Jesus Christus wird beim Traubensaft oder Wein auch an das Blut von Jesus Christus gedacht; das symbolisiert eigentlich nicht einfach seinen Tod als Opferblut, sondern – jüdisch verstanden meint „Blut“ das Leben – dass wir etwas davon bekommen, was Jesus Christus gelebt hat, lebend gegeben hat.
Mit dieser Hingabe von Jesus Christus, so heißt es, will Gott sich neu mit seinen Menschen, seinem Volk, verbünden; er nimmt eine neue Verbindung zu Menschen auf. Er nimmt diese Verbindung mit ihnen auf, um mit ihnen ihr Leben zu bewahren - das Recht, den Wert und die Würde ihres Lebens zu wahren.
Dieses Vermächtnis aus der Geschichte von Jesus Christus ist gesammelt in einem Kelch, dem Kelch des Heils.
Was wir bekommen, liegt nicht in dem besonderen Brot oder dem besonderen Kelch an sich. Es liegt in der symbolischen Handlung, die an die Geschichte von Jesus Christus erinnert, und die Geschichte von Jesus Christus wird gegenwärtig, sofern ihr Geist weiter atmet. – So empfangt, wofür Jesus Christus gelebt hat: „das Brot, das ihr nehmt und esst, …; der Kelch, den ihr nehmt und aus dem ihr alle trinkt, …“ Diese Geste dieser Handlung wird unterstützt von Worten („Spendeworten“). Z.B.: „Christi Leib – für dich gegeben.“ „Christi Blut – für dich vergossen.“ Oder: „Das Brot des Lebens: für dich.“ „Der Kelch des Heils: für dich.“

h) Das folgende Gebet ist ein Dankgebet „nach Tisch“. Darin kann auch angesprochen werden, welche Früchte man sich davon erhofft. Z.B. dass die Gemeinschaft derer gestärkt werde, die sich etwas von Jesus Christus holen, siehe z.B. das Gebet im Evangelischen Gesangbuch 773. Oder dass wir durch das, was uns zugute gekommen ist, mehr für Andere übrig haben und mit ihnen teilen, siehe z.B. das Gebet im Evangelischen Gesangbuch 774.

Sendung und Segen

Sendung:
Traditionell wird die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde an dieser Stelle aufgefordert zu gehen. Zum einen: Weil es so schön ist in der Nähe Gottes, dass man gar nicht mehr gehen möchte. Da braucht es eine extra Aufforderung, sich nun doch wieder den Arbeiten des Alltags zuzuwenden. Zum anderen: Die aus dem Gottesdienst „entlassen“ werden, bekommen einen bestimmten Auftrag mit. Etwa: „Geht und achtet auf euch, auf die …“ „Geht und erzählt …“ „Geht und lasst euer Licht scheinen …“

Segen:
In jedem Fall endet der Gottesdienst mit Gottes Segen. (Ein Thema für ein anderes Mal.)

Nachwort

So kommt in Gottesdiensten in verschiedener Weise zur Sprache, was von Gott anzusagen ist und was wir Gott zu sagen haben. Meistens gehen wir im Gottesdienst folgende Grundschritte:
- sich vor Gott einfinden - hören, was von Gott gesagt wird - Gottes Zuwendung vergegenwärtigen im Mahl Jesu Christi - mit Gottes Segen losgehen.

Der Gottesdienst kann gut gewesen sein,
- wenn Ihnen ein Gedanke nachgeht oder - wenn Sie mal tief durchatmen konnten oder - wenn es Sie bestärkt hat, sich irgendwann später mal wieder an Gott zu wenden, oder - Sie sich irgendwann fragen, wie Gott dazu kommen könnte, oder - es Ihnen wieder klarer geworden ist: >Gott geht in meiner Lebenslage mit< oder >ich glaube, Gott wird da sein, wenn ich durch etwas durch muss, was mir Angst macht<, oder - …

In jedem Fall ist die Teilnahme am Gottesdienst gut und wesentlich für unser persönliches Leben und unsere Anteilnahme an den Nöten anderer Menschen. Denn sie ist die herausragende Chance, aufzunehmen, was Gott uns fortwährend anbietet. Das ist ein Geschenk. – Darum gibt es zwar keine Pflicht, zum Gottesdienst zu gehen („Sonntagspflicht“). Aber es ist durchaus die Basis dafür, als Christen zu glauben, zu hoffen und zu leben. Und darum ist es auch die Mitte der Aktivitäten, wozu eine christliche Gemeinde da ist.

Die Bedürfnisse, in welcher Art und Kultur so ein Gottesdienst gefeiert wird, sind heutzutage sehr verschieden. Es wäre natürlich schön, wenn Sie Lust haben zum Gottesdienst zu gehen. … und wenn Sie Ihrer Tochter, Ihren Enkeln oder Ihren Freunden … , die Sie gerade an dem Wochenende besuchen, gerne empfehlen mitzugehen.

(1) Irgendwann war einigen Christen wichtig geworden: Wenn wir mit den Psalmen aus dem Alten Testament zu Gott beten, dann meinen wir eben den Gott, der der Vater Jesu Christi, Gottes Sohn und Heiliger Geist ist. - Deswegen kennen Sie es, dass oft im Anschluss an das Psalmgebet noch gesungen wird: „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war am Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Evangelisches Gesangbuch 177)

(2) Darin wird oft auf konkrete Anfragen einer Gemeinde von Christen eingegangen, oder es wird erwogen, was die Geschichte von Jesus Christus bedeutet. Das klingt manchmal kompliziert, manchmal fremd. – Vielleicht, um das etwas in Distanz aufzunehmen, und in jedem Fall sich an Gott zu orientieren, wird im Anschluss an diese Lesung „Halleluja“ gesungen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, vgl. Evangelisches Gesangbuch 181 + 182; 789.3 + 789.4.

(3) Hier wird Jesaja 6,3 zitiert. „Zebaoth“ ist einer von mehreren Titeln, mit denen Gott in der jüdischen Religion angesprochen wird. Damit wird er als einer angesprochen, der sich mit streitbarer Macht einsetzt.

(4) Daher auch der Name „Abendmahl“. Aus der katholischen Kirche kennen Sie vielleicht den Ausdruck „Messe“. Der meint das gleiche Ritual, bezieht sich aber auf das Ende des Gottesdienstes, wo es sinngemäß lateinisch heißt: „du kannst gehen – nachdem du alles bekommen hast, wirst du (wieder) losgeschickt“.

(5) Nimmt Johannes 1,29 auf. Dieses Bild bezieht sich auf einen alten Ritus im Judentum: Einem Lamm, das sich geduldig alles gefallen lässt, werden die Sünden des Volkes aufgedrückt und es wird dann in die Wüste geschickt bzw. geschlachtet. – Die Idee dabei ist: So wird in einer symbolischen Handlung vollzogen, dass Gott das Volk nicht an seinen Vergehen zugrunde gehen lassen will, sondern ihm eine neue Chance zusammenzuleben einräumt, indem er das Gift der Vergehen ausräumt. – In diesem Sinne wird von den Christen Jesaja 53,5 & 7 aufgenommen, siehe Apostelgeschichte 8,32; 1. Petrusbrief 1,19; Offenbarung 5,12.

(6) Dieser Gesang kam im 7. Jahrhundert in der syrisch-orientalischen Kirche auf. Er wurde so lange gesungen, bis das Brot für alle gebrochen war.