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Archiv / Mai 2007
 
Pfingsten

Eine junge Mutter, Christine, erzählt:
„Vor ein paar Wochen stand ich gegen Mittag am Imbissstand an der Kottbusser Brücke in Kreuzberg, um mir einen Döner zu kaufen. Hinter mir standen eine junge, tiefverschleierte Türkin und eine alte, grau gekleidete Frau mit einem schweren schwarzen Fahrrad. >Bitte keine Zwiebeln< sagte ich zu dem jungen Mann am Döner-Stand, und auf sein höhnisches Grinsen hin erläuterte ich: >mein gestilltes Baby bekommt davon Blähungen<. >Oh ja, es ist schrecklich< sagte die junge Türkin >mein Junge hat auch monatelang geschrieen wegen Bauchweh<. >Ich habe meine Zwillinge zwei Jahre lang gestillt< sagte die alte Frau, >nach dem Krieg hatte ich nichts, was ich ihnen sonst hätte geben können<. Ich nahm den Döner in Empfang und setzte mich auf eine Bank am Landwehrkanal neben eine sehr blonde Frau mit sehr hochtoupierten Haaren und sehr roten Lippen. Bald kam ein alter Mann, den ich schon oft in Kreuzberg mit seinem Einkaufswägelchen durch die Straßen hatte ziehen sehen und setzte sich zu uns. Die andere Frau rückte weg, bis sie nur noch mit einer halben Pobacke auf der Bank saß, blieb aber sitzen. Als der Mann eine Rotweinflache herauszog, sagte ich zu ihm >kaufen sie sich lieber etwas zu essen<, und gab ihm zwei Euro. >Der kauft sich doch nichts zu essen, der versäuft doch alles< sagte meine Nachbarin und war sehr erstaunt, als der Mann sogleich zum Imbissstand zog. Bald kam er wieder mit einem halben Hähnchen und hinter ihm kam die alte Frau, deren Pommes Frites (eigentlich wunderte ich mich, dass sie Pommes Frites aß) nun endlich fertig waren. Sie setzte sich neben den alten Mann, und so saßen wir nun zu viert sehr eng auf der Bank, wünschten uns einen guten Appetit und palaverten über das Wetter. Als ich mich zum Gehen anschickte, kam auf einmal die junge Türkin wieder, diesmal mit einem Kinderwagen. >Das ist mein Baby< sagte sie stolz, >es ist jetzt schon ein Jahr alt<“
Christine erzählt diese Geschichte als eine Pfingstgeschichte: als eine Geschichte vom göttlichen Geist.
Wie? - Das ist ja eine merkwürdige Geschichte. Oder eine banale Geschichte. Oder eine fremde Geschichte.
Waren es nicht Hunger und Imbiss, die die Fünf zusammen gebracht haben? Und vielleicht die kleinen Kinder? Oder Zufall oder Glück? –
Kann sein. Könnte auch sein, dass die eine entsetzt weggerannt wäre, die andere ganz in ihren Gedanken gewesen wäre und eigentlich nicht dabei, oder dass sie sich über irgendetwas gestritten hätten. So ist das Leben.
Nun aber hat Gott mit dem aufgeweckten Leben von Jesus Christus unserem Leben eine Portion Frischluft verordnet: Frische Luft, die seine Liebe atmet.
Dann erleben wir immer noch: Mal sitzen fremde Leute überraschend nett beieinander; ein anderes Mal belegen sie sich mit unflätigen Worten; ein anderes Mal laufen sie nur aneinander vorbei; schließlich sind sie sich unheimlich fremd. Aber wenn wir das Fenster Gottes, das er uns mit der Geschichte von Jesus Christus gebaut hat, aufmachen, dann sagen wir mehr als nur „so ist das Leben“: So eine glückliche Geschichte ist geradezu Gottes Fall; er lässt sie uns „zufallen“.
Gott wünscht uns diesen beglückenden Hauch, die Fremdheit zu überwinden. Statt sich überheblich und eigensinnig gegenseitig zu bekämpfen, wünscht uns Gott, so zu leben: „Findet für Euer Leben, wie Ihr die Verschiedenheiten der Menschen lassen könnt und doch etwas menschlich Verbindendes findet. Dafür gebe ich meinen Geist in Eure Herzen!“
Parkbank
Ja, ich sollte wohl auf diesen Geist Gottes achten. Dazu feiern wir extra Pfingsten: Das hilft mir, auf diesen Geist Gottes aufmerksam zu sein.

Reinhard Kähler