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Archiv / Andacht
 
Paulus schrieb:
„Ich will im Geist beten, aber auch mit dem Verstand.“ (1. Kor 14, 15)
Paulus spricht eine Art zu beten an, die in unseren Gemeinden nicht üblich ist und die ich selbst nicht kenne, wenn er sagt: „Wer in Gottesdiensten „mit Zunge“ redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott. … Für die Gemeinde sollt ihr aber auch mit verständlichen Worten sprechen. … Wer also „mit Zunge" redet. Der bete so, dass er es erkläre. Wenn ich „mit Zunge“ bete, betet mein Geist, mein Verstand ist aber unfruchtbar. … Brüder, werdet nicht Kinder, wenn es um das Verstehen (um Einsichten und Verständigung) geht…, im Verstehen sucht zum Ziel zu kommen. Hier meint „mit Zunge reden“: Gar nicht zu überlegen, was man Gott sagen will, sondern mit der Zunge zu lallen. Ich stelle mir das so vor: In einem bestimmten religiösen Arrangement sind Menschen geübt, ihre Stimme einfach vor Gott laufen zu lassen. Es sprudelt in ihnen, ohne dass sie sich bemühen. Da weht der Geist Gottes durch ih-ren Körper. – So wird das erklärt. Paulus will mehr: Was sie betend und singend lallen, soll mit dem Verstand übersetzt werden. So wird es für sie selbst und für andere Anwesende nachvollziehbar. Gott versteht wohl auch das Lallen. Aber damit andere, die dabei sind, da mitgehen können, braucht es die verstehbare Sprache. Um sagen zu können, >was ich hier vor Gott bringe<, brauche ich mei-nen Verstand. – Ich frage mich da: Würde es nicht reichen, wenn Gott es versteht? – Ja, Gott will doch, dass wir mit dem zu ihm kommen, was uns auf dem Herzen liegt. Beten ist intim. Deswegen beten Sie vielleicht auch mehr, wenn Sie allein sind als zusammen mit anderen. Wie ist es aber, wenn Sie beim Gebet mit anderen in der Gemeinde dabei sind? - Da soll so gebetet werden, dass selbst Leute, die das neu erleben, merken: Hier reden Menschen eine geheimnisvolle Wirklichkeit - genannt „Gott“ – an; sie sprechen allerdings davon, wie es wirklich ist – für sie bzw. für andere. Das soll man merken. Wer da angeredet wird, das bleibt ein Geheimnis. Aber was da gesagt wird, das ist doch verständlich. Sicher, wenn wir beten, dann geht es nicht darum, jemanden zu informieren. Wir geben nicht nur wieder, was wir wissen. Wir bringen vor Gott, was uns von Herzen beschäftigt – zusammen mit dem, was wir hoffen oder fürchten. Denn irgendwie wissen die Betenden: Was wir erfahren, müssen wir nicht nur stumm hinnehmen. Da spielt noch eine andere „Macht“ mit, Gott. Die hat ein Gehör für das, was uns geschieht. Wenn wir Gott anreden, dann sprechen unser Herz und Gemüt mit. Die sind wie ein Schiff, das von Winden aus unterschiedlichen Richtungen getrieben wird: von Furcht und Sor-ge oder von Grämen und Trauer, von Hoffen und Bangen oder von Freude. Beim Gebet in der Gemeinde sind verschie-dene Menschen dabei, denen es in ihrer Situation auch unter-schiedlich geht. Mit einfühlsamer Vernunft können sie aber vielfach nachvollziehen, wenn andere Lebenssituationen angesprochen werden. Das gemeinsame Gebet gibt auch den übergroßen und unlösbar erscheinenden Fragen und Sehnsüchten einen guten Ort. Einen guten Ort finden sie, wo sie in das sehnsuchtsvoll-hoffnungsvolle „komm, Gott!“ der Gemeinde hereingeholt werden. Wenn ich dabei bin, wenn in der Gemeinde gebetet wird, muss ich nicht allein bleiben mit meinen Ängsten und meiner Sehnsucht; wenn es gut geht, kann ich mich hineinbeten in einen >Gebetsraum<, in dem ich mitbeten kann, weiter, als ich es selbst jetzt sagen könnte: Manches wird im gemeinsa-men Gebet aufgenommen und weiter getragen, was Einzelne mitbringen; in manchem mag das, was da in der Gemeinde im Gebet gesagt wird, anders lang gehen, als was mir gerade am Herzen liegt, weil die angesprochenen Situationen mir gerade zu weit weg sind. Wenn es gut geht, fordern die Gebete heraus, im Geiste mitzugehen und für Betroffene mit der Gemeinde Gott entgegen zu rufen. Wenn so im Geiste Gottes und mit Sinn und Verstand gebetet wird, dann kann auch ein Mensch dabei sein, der das Gefühl hat, nicht beten zu können: Er kann dazu kommen, offen nach Gott zu fragen, nach Gott zu suchen. Wer mitgeht, wenn Menschen in der Gemeinde sich an Gott wenden, kommt noch einmal in Bewegung, in die Richtung: was Gott zurecht zu bringen verspricht. Wenn Gebete in der Gemeinde so mitgehört werden, dass sie ermutigen Gott zu glauben – das wären doch Glücksfälle des Geistes Gottes!

Ihr Reinhard Kähler