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Archiv / Andacht
 
„Wer Gutes zu tun weiß und handelt nicht dementsprechend,
bei dem ist Sünde.“
(Jakobusbrief 4,17)

Man muss ja nicht getauft sein und kann trotzdem ´ne gute Meinung haben. „Man muss nur mit der richtigen Einstellung rangehen.“ Na ja, man muss auch danach handeln. „An ihren Früchten sollt ihr sie – mit ihrer Einstellung – erkennen.“ „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Ja ja, das haben wir auch immer gesagt. Und so hatten wir ständig zu tun. Eigentlich hatten wir unendlich zu tun, und es war nie genug.

Da klingt es für mich entlastend, was der Jakobusbrief feststellt. Ich höre nämlich: „Wer nicht weiß Gutes zu tun, … bei dem ist es nicht Sünde.

Wir haben doch auch unsere Grenzen: Vieles können wir nicht leisten, weil unsere Kräfte nicht reichen oder unsere Zeit nicht reicht oder weil wir diese Kunst, gut zu handeln, nicht gelernt haben. Dann verfehlen wir Gott nicht, obwohl wir das Gute nicht getan haben und es gut gewesen wäre, wenn wir es hätten tun können und das Gute getan hätten.

Ich kaufte einen Samtblazer mit Nadelstreifen, klassisch geschnitten, ordentlich gefüttert, sauber genäht. Sein Preis: 11,97 Euro. Er passt perfekt – Ärmel, Schultern, Hüfte. Ich war stolz, so günstig eingekauft zu haben. Und doch: Die Sache geht nicht mit rechten Dingen zu. Für dieses Geld kann kein so kompliziertes Kleidungsstück entstehen – die Baumwolle muss (in Burkina Faso?) ausgesät, gepflückt, gesäubert werden. Die Fasern müssen (in Indien?) versponnen, gefärbt, gewebt werden. Der Stoff muss (in China?) in mindestens 14 Teile zugeschnitten werden – ebenso das Futter. Zusammengenäht hat alles wahrscheinlich eine junge Frau, laut Etikett in China. Gewiss kamen dort auch die Knöpfe dran, die irgendwo gestanzt worden sein müssen. Dann wurde das Stück verpackt, verschifft, verteilt, mit Preisschild versehen, in den Laden gehängt und schließlich von der Verkäuferin im Preis reduziert.

Ganz am Anfang muss einer herausgefunden haben, dass sol-che Sachen in dieser Saison gut wären und ein Designer hat (in Schweden?) das Teil entworfen. So rückt einem die Globalisierung auf den Leib, nicht unangenehm, aber unheimlich. Das Missverhältnis von Preis und Leistung irritiert, führt man sich vor Augen, unter welchen U mständen es zustande gekommen sein muss. Ist es nun ungut, die billigen Jacken, Hemden, Blusen zu kaufen? Ist so die Ausbeutung befördert? Oder eher das Fortkommen eines aufsteigenden Industrieproletariats? So dass es gut ist, das zu kaufen? Wahrscheinlich beides. Ich Käuferin stehe weder auf der guten noch auf der bösen Seite – mein Gewissen ist weder entlastet noch beruhigt.

Und es gibt vieles wo ich seufze „ich weiß auch nicht, was gut ist.“
Auf der anderen Seite verbietet das Wort aus dem Jakobusbrief jede faule Ausrede:

1. Oft ist es kompliziert, herauszukriegen, was ich Gutes tun kann. Oft ist das aber auch sonnenklar und einfach. Das ist gut. Keinen verderben zu lassen, auch nicht sich selber. Jeden mit Glück zu erfüllen, auch sich, das ist gut.
(Bertold Brecht)
Dann krieg ich schon genug raus, wo ich mich nicht raushalten kann, Gutes zu tun.
2. Ich wüsste zwar, ich könnte zwar … aber ich bin zu bequem – mit solchen Bequemlichkeiten werden wir uns vor Gott verantworten müssen.
3. Spüre auf, was dir Gutes widerfährt. Werde dir dessen bewusst (dass du darum weißt). Dann wolle nicht perfekt sein, aber handle, so gut du kannst.

Ihr Reinhard Kähler